Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom: Übersehene Zellen liefern Hinweise auf die Heilungschancen

16. Juli 2026

Die Forschungsgruppe „Histologie“ am Forschungszentrum Borstel (Leibniz Lungenzentrum) untersuchte das Bindegewebe rund um Lungenkarzinome. Das Team identifizierte ein aussagekräftiges Zellmuster im Stroma. Dieses Muster liefert wichtige Hinweise auf das Langzeitüberleben von NSCLC-Patienten. Die Krebsforschung fokussiert sich meist auf Immunzellen direkt im Tumorgewebe. Eine Studie unter Leitung von Sebastian Marwitz erweitert diesen Blick. Auch Immunzellen, die im umgebenden Bindegewebe (Stroma) verbleiben, enthalten entscheidende Informationen über den Krankheitsverlauf.

High-Throughput-Screening via Multiplex-Immunfluoreszenz

Für die Studie wurden Gewebeproben von 674 NSCLC-Patienten aus Deutschland und Schweden analysiert. Mittels Multiplex-Immunfluoreszenz erfasste das Team mehr als sechs Millionen einzelne Zellen. Die Auswertung beinhaltete die Phänotypisierung und die exakte räumliche Lokalisation im Gewebe.

Räumliche Muster und zelluläre Nachbarschaften

Die Forschenden identifizierten fünf stromale Immunzellmuster und drei räumliche Anordnungen. Entscheidend für den Überlebenseffekt war die spezifische Gewebearchitektur der ausgeschlossenen Immunzellen. Dieser Phänotyp war bislang in dieser Form nicht beschrieben.

„Dies verdeutlicht, dass sich Erkrankungen sich komplexer verhalten als bisher gedacht und es nicht nur darauf ankommt welcher Zelltyp wie häufig vorkommt, sondern eher mit wem er eher eine Nachbarschaft eingeht. Dieser Forschungsansatz ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeiten am Forschungszentrum und im Deutschen Zentrum für Lungenforschung“ so PD Dr. Sebastian Marwitz.

Korrelation von Zell-Kombinationen und Überlebensrate

Eine bestimmte zelluläre Konstellation korrelierte mit einem signifikant besseren Langzeitüberleben. Die kritische Kombination erfordert eine hohe Dichte an B-Zellen im Stroma. Zudem müssen Helfer-T-Zellen räumlich nah an regulatorischen T-Zellen lokalisiert sein.

Validierung für die klinische Routineanalytik

Das komplexe Muster lässt sich auf drei etablierte Biomarker reduzieren: B-Zellen, Helfer-T-Zellen und regulatorische T-Zellen. Dies ermöglicht eine translationale Anwendung in der Routinediagnostik. Der Test erfordert deutlich weniger technologischen Aufwand als die hochauflösende Multiplex-Phänotypisierung. Folgestudien prüfen das Signatur-Muster nun bei fortgeschrittenen Stadien, Metastasen und unter Immuntherapie.

Quelle

Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum (07/2026)

Publikation

Marwitz S, Brunnström H, Gulyas M, et al. Left behind but not left alone: Excluded cell populations in the non-small cell lung cancer stroma predict superior long-term overall survival. European Journal of Cancer 2026 Jun 9:244:116868. DOI: 10.1016/j.ejca.2026.116868
https://doi.org/10.1016/j.ejca.2026.116868

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