Die Intensität allergischer Reaktionen auf pflanzliche Lebensmittel variiert individuell stark. Eine im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Studie liefert neue Erklärungsansätze. Neben den allergenen Proteinstrukturen beeinflussen proteingebundene Fettmoleküle (Lipide) die Pathogenese. Diese Lipide verstärken die Aktivierung allergierelevanter Immunzellen signifikant.
Klinische Relevanz und Allergenquellen
In Deutschland sind über drei Millionen Menschen von Nahrungsmittelallergien betroffen. Bereits Spurenmengen der Allergene lösen Symptome wie anaphylaktische Schocks aus. Im Fokus der Untersuchung stand ein neu identifiziertes Lipidtransferprotein (LTP) aus der gelben Lupine (Lupinus luteus). Lupinenprodukte gewinnen als pflanzliche Proteinquelle in Fleischersatzprodukten und Backwaren stark an Bedeutung.
Mechanismen der zellulären Aktivierung im Laborbefund
Das Forschungsteam des Forschungszentrums Borstel (FZB) wies die gezielte Lipidbindung durch das Lupinen-LTP nach. Die Bindung verändert die Proteinaffinität zu zellulären Membranen. Dies führt zu einer hochgradig effektiven Aktivierung basophiler Granulozyten. Diese basophilen Zellen sezernieren Histamin und weitere Entzündungsmediatoren, welche die allergische Kaskade triggern.
Interaktion mit Phosphatidylglycerol und Mikrobiom-Bezug
Analytisch zeigte das Lupinen-LTP eine ausgeprägte Wechselwirkung mit Phosphatidylglycerol. Dieses Lipid ist struktureller Bestandteil bakterieller Zellmembranen im Darmmikrobiom sowie des pulmonalen Surfactants. Die Daten suggerieren, dass diese Lipide als Co-Faktoren die Allergenität von LTPs modulieren. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die allergene Wirkung pflanzlicher Proteine nicht allein durch ihre Eiweißstruktur bestimmt wird“, erklärt Prof. Dr. Uta Jappe. „Auch die von ihnen gebundenen Lipide können erheblich dazu beitragen, wie stark das Immunsystem reagiert.“
Interdisziplinäre Methodik und diagnostischer Ausblick
Die Studie basiert auf der Kooperation der FZB-Forschungsgruppen für Allergologie, Immunbiophysik und Fluoreszenz-Zytometrie. Mittels dieser komplementären Methoden wurden die Interaktionen zwischen Allergen, Lipiden und Immunzellen funktionell charakterisiert. Die Erkenntnisse optimieren künftig die Risikostrahlung von Patienten und die In-vitro-Allergenbewertung pflanzlicher Proteine.
Quelle
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum (07/2026)
Publikation
Jappe, U., Behrends, J. & Schromm, A.B. Lipid ligand binding and membrane interactions of a novel food-derived lipid transfer protein enhance basophil allergic responses. Sci Rep 16, 18352 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-55182-9