Europäische Erdbeeren mit PFAS- und hormonschädigenden Pestiziden belastet

15. Juli 2026

Eine aktuelle Screening-Untersuchung von PAN Europe und Partnerorganisationen zeigt eine signifikante Pestizidbelastung bei Erdbeeren aus EU-Anbau. Die Rückstandsanalytik konventioneller Proben detektierte in 78 % der Fälle mindestens einen Wirkstoff. Bei 61 % der Proben wurden Multiresiduen nachgewiesen. Zudem enthielten 58 % der Matrizen PFAS-Pestizide.

Chromatographische Befunde und endokrine Disruptoren

Die quantitativ dominierenden Wirkstoffe sind die Fungizide Fludioxonil und Cyprodinil. Beide Substanzen besitzen endokrine Eigenschaften. Nach EU-Recht besteht für diese Substanzklassen bereits ein Anwendungsverbot. Zudem gehören 56 % der Analyten zu den prioritär zu substituierenden Wirkstoffen. Trotz dieser Befunde planen die EU-Behörden regulatorische Erleichterungen. Das Vorhaben läuft unter dem Namen „EU-Vereinfachungsomnibus“.

Stichprobenstruktur und länderspezifische Rückstandsprofile

Die Probenmatrix umfasste 41 Erdbeerproben aus elf EU-Mitgliedstaaten. Das Kollektiv bestand aus 36 konventionellen und vier ökologischen Proben. Eine Probe war als rückstandsfrei deklariert. Deutsche Proben zeigten im Mittel drei bis fünf Wirkstoffe. Belgische und ungarische Proben wiesen Spitzenwerte von bis zu neun Rückständen auf. Bio-Erdbeeren lagen unter der analytischen Bestimmungsgrenze. „Die Öffentlichkeit muss darüber informiert werden, dass solche Pestizid-Cocktails von den Untersuchungsbehörden nicht als Ganzes bewertet werden und dass besonders Schwangere und Kinder vor hormonschädigenden Pestiziden besser geschützt werden müssen“, betont Susanne Smolka.

Toxikologische Bewertung von Substanzgemischen

„Besonders besorgniserregend ist, dass die identifizierten Pestizide zu den giftigsten Wirkstoffen gehören, die in der EU verkauft werden: Verbraucherinnen und Verbraucher sind über Lebensmittel Pestizid-Cocktails aus PFAS, hormonschädlichen oder neurotoxischen Pestiziden ausgesetzt“, sagt Dr. Martin Dermine. „Unsere Regulierungsbehörden kommen ihrer Aufgabe, die Bevölkerung – insbesondere unsere Kinder – zu schützen, nicht nach.“

Regulatorischer Status und Metaboliten-Toxizität

Die EFSA klassifizierte Fludioxonil und Cyprodinil als endokrine Disruptoren. Ein gesetzliches Verbot der Substanzen steht jedoch noch aus. Zudem metabolisieren PFAS-Pestizide wie Flonicamid zu Trifluoressigsäure (TFA). TFA besitzt eine offizielle Einstufung als reproduktionstoxisch (Kategorie 1B). Dies erfordert einen systematischen Ausstieg aus dieser Wirkstoffklasse.

Kritik an der Aufweichung von Schutzstandards

Die beteiligten Organisationen fordern eine strikte Durchsetzung der bestehenden Grenzwerte und Verbote. „Angesichts der Rückstands-Ergebnisse ist der aktuelle Vorschlag eines Vereinfachungspakets für die Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit (der “Omnibus X”) und die im Parlament und im Rat diskutierten Änderungsanträge ein Skandal. Trotz breiter Kritik aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft werden gerade wichtige Schutzstandards für die Bevölkerung abgebaut– insbesondere für besonders schutzbedürftige Gruppen wie Kinder und Schwangere“, kritisiert PAN-Expertin Smolka.

Quelle

Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (07/2026)

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