Studie verbessert Verständnis über Emissionen klimaschädlicher Gase in Deutschland

14. April 2026

Eine aktuelle Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes belegt, dass Atmosphärenmessungen eine präzise Bestimmung und Lokalisierung besonders klimaschädlicher Gase wie Schwefelhexafluorid ermöglichen. Mithilfe dieser Methode gelang es bereits, eine Emissionsquelle in Südwestdeutschland zu identifizieren, deren Ausmaß bislang unbekannt war. Künftig können durch diese Form der Atmosphärenüberwachung auch weitere klimaschädliche Emissionen gezielt in den Fokus gerückt und überwacht werden.

SF₆-Monitoring: Regionale Emissionsquellen präziser identifiziert

Schwefelhexafluorid (SF₆) zählt zu den stärksten Treibhausgasen, da ein einziges Kilogramm über ein Jahrhundert hinweg die Klimawirkung von etwa 24 Tonnen Kohlendioxid (CO₂) entfaltet. Messungen der Goethe-Universität Frankfurt im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) belegen nun, dass die Emissionen dieses hochwirksamen Gases in Deutschland regional stark ungleich verteilt sind. Durch die Kombination umfangreicher Messdaten mit modernen Modellrechnungen konnten die Forschenden nachweisen, dass sich die geografische Verteilung der SF₆-Emissionen deutlich anders darstellt als in bisherigen Annahmen vermutet.

Atmosphäre

Klimaschädliches SF₆ reichert sich in der Atmosphäre an

Detektion regionaler Hotspots: Neue Datenbasis für SF₆-Emissionen

Grundlage der Analyse ist ein erstmals deutschlandweit konsistenter Datensatz, der sämtliche verfügbaren SF₆-Messungen vereint. Hierzu gehören kontinuierliche Erhebungen des UBA an der Zugspitze, Daten des Taunus-Observatoriums der Goethe-Universität Frankfurt sowie ergänzende Messreihen aus dem europäischen ICOS-Netzwerk für standardisierte Treibhausgasmessungen. Die Auswertung erfolgte in Kooperation mit nationalen und internationalen Partnern. UBA-Präsident Dirk Messner betont: „F-Gase wie Schwefelhexafluorid haben ein enorm schädliches Klimapotenzial. Deshalb brauchen wir moderne Messsysteme, die nicht nur Trends erkennen, sondern auch regionale Hotspots sichtbar machen. Gemeldete Emissionsdaten und real gemessene Konzentrationen in Zusammenhang zu bringen schafft eine wichtige Grundlage für zielgerichtete Minderungsmaßnahmen.“

Für einen markanten Emissionshotspot in Südwestdeutschland wurden im Zeitraum von 2021 bis 2023 jährliche Emissionen von etwa 30 Tonnen SF₆ abgeschätzt. Besonders auffällig war hierbei, dass diese räumliche Konzentration nicht mit den bisher offiziell gemeldeten Quellen korrelierte, welche eher auf eine gleichmäßige Verteilung hindeuteten. Während die berechneten Gesamtemissionen für Deutschland insgesamt gut mit den an die UN gemeldeten Werten übereinstimmten, zeigt die Analyse, dass andere Emissionsquellen über einen längeren Zeitraum hinweg überschätzt wurden.

NF₃-Monitoring: Erste kontinuierliche Messungen in Deutschland

Ein weiterer zentraler Projekterfolg ist der Beginn der ersten kontinuierlichen Messungen von Stickstofftrifluorid (NF₃) in Deutschland. Da dieses extrem langlebige und klimaschädliche Gas hierzulande bislang nicht erfasst wurde, messen Forschende seit Februar 2023 am Taunus-Observatorium erstmals dessen atmosphärische Konzentration. Die bisherigen Daten zeigen zwar einen moderaten globalen Anstieg, dokumentieren jedoch nur wenige lokale Emissionsereignisse. Dies lässt darauf schließen, dass die regionalen Quellen in Deutschland derzeit auf einem geringen Niveau liegen.

Präzisionsmessung für den Klimaschutz: SF₆ und NF₃ im Visier

Die Studie unterstreicht die Relevanz kontinuierlicher Atmosphärenmessungen für das Verständnis realer Emissionsmuster. Die gewonnenen Ergebnisse bilden eine entscheidende Basis, um Emissionsberichte zu verfeinern, unbekannte Quellen zu lokalisieren und effektive Reduktionsstrategien für extrem klimaschädliche Gase zu entwerfen. Mit einer 24.300-fachen bzw. 17.400-fachen Klimawirkung gegenüber CO₂ zählen SF₆ und NF₃ zu den potentesten Treibhausgasen. Während SF₆ in Bereichen wie elektrischen Schaltanlagen oder Schallschutzfenstern bereits Regulierungen und Verboten unterliegt, erfährt NF₃ international bislang nur wenig Beachtung, obwohl sein Einsatz in der Halbleiterindustrie stetig zunimmt.

Quelle

Umweltbundesamt UBA (04/2026)

Publikation

Climate Neutrality by 2050
Part 2: Atmospheric data on SF₆ an NF₃ in Europe and Germany
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/climate-neutrality-2050

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