Das neue digitale Werkzeug „StructureMASST“ eröffnet Forschenden sowie Interessierten einen völlig neuen Zugang zur Welt der Moleküle. Es ermöglicht, bisher unentdeckte Substanzen in bereits vorhandenen wissenschaftlichen Daten aus Proben aus der ganzen Welt aufzuspüren. Da in vielen Untersuchungen die Massenspektrometrie eingesetzt wird, die zwar charakteristische „Fingerabdrücke“ von Molekülen liefert, bisher jedoch weniger als zehn Prozent dieser Signale bekannten Substanzen zugeordnet werden können – selbst bei gut erforschten menschlichen Proben –, schließt das Tool eine entscheidende Lücke. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der BOKU University stellt StructureMASST vor, um die bislang schwer zugängliche Frage zu beantworten: „Wo wurde ein bestimmtes Molekül bereits nachgewiesen?“
Globale Datensuche eröffnet neue Einblicke
Das Tool nutzt eine gewaltige Menge öffentlich zugänglicher Rohdaten, indem es hunderttausende Labormessungen aus der weltweiten klinischen Forschung, den Pflanzenwissenschaften und Umweltstudien auf molekulare Fingerabdrücke hin vergleicht. Ein entscheidender Vorteil von StructureMASST liegt darin, dass es nicht auf die ursprünglichen Laborauswertungen angewiesen ist, sondern die Rohdaten direkt analysiert. Auf diese Weise lassen sich selbst Moleküle identifizieren, die den Forschenden in der ersten Analyse entgangen sind. „Unser Ansatz ermöglicht es, völlig neue Zusammenhänge sichtbar zu machen“, erklärt Yasin El Abiead.
Von der Entdeckung zur Einordnung
Das Forschungsteam demonstriert die Funktionsweise anhand konkreter Beispiele: So wurde das von Mikroorganismen produzierte Naturprodukt Surfactin C nicht nur in Laborkulturen, sondern auch in menschlichen Proben von Personen aus ländlichen Regionen nachgewiesen. Zudem ließen sich bislang unbekannte Varianten bekannter Wirkstoffe in verschiedenen Bereichen des menschlichen Körpers identifizieren. Solche Ergebnisse tragen maßgeblich dazu bei, die Bedeutung von Molekülen für Umwelt, Gesundheit und biologische Prozesse besser einzuordnen. Das Besondere ist dabei der barrierefreie Zugang, da StructureMASST kostenlos über den Webbrowser nutzbar und bewusst für Anwender ohne Spezialwissen konzipiert wurde. Es dient somit als idealer Einstieg in die riesige, erst teilweise erschlossene Welt kleiner Moleküle in öffentlichen Forschungsdaten.
Mehr Informationen und Zugang zum Tool: https://structure-masst.gnps2.org/
Quelle
Universität für Bodenkultur Wien (04/2026)