Zukunftstechnologien lassen Rohstoffbedarf steigen: Studie zeigt Handlungsbedarf

16. Juli 2026

Aufstrebende Technologien verändern den globalen Materialbedarf drastisch. Die aktualisierte Studie „Rohstoffe für Zukunftstechnologien“ analysiert diesen Trend. Fraunhofer ISI und IZM untersuchten dafür 34 Schlüsseltechnologien und 14 strategische Rohstoffe. Der Auftraggeber ist die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der BGR. Die Dekarbonisierung und Digitalisierung der Wirtschaft treiben die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen an. Bis zum Jahr 2045 wurde der Bedarf für die ausgewählten Technologien modelliert. Bei zwölf Metallen übersteigt die prognostizierte Nachfrage die aktuelle globale Jahresproduktion.

Analytische Schwerpunkte: Iridium, Lithium und Scandium

Der stärkste relative Nachfrageanstieg wird für Iridium prognostiziert. Haupttreiber ist hierbei die Wasserelektrolyse zur grünen Wasserstofferzeugung. An zweiter Stelle folgt Lithium für die Akkumulatorentechnik der Elektromobilität. Bis 2045 könnte sich dieser Bedarf verfünffachen. Scandium für stationäre Brennstoffzellen belegt den dritten Rang. Auch Graphit für Hochleistungsspeicher zeigt signifikante Nachfragesteigerungen.

Rohstoffindikatoren in der Infrastruktur und Digitalisierung

Dysprosium und Terbium werden verstärkt für Traktionsmotoren und Windkraftanlagen benötigt. Für Platin und Ruthenium steigt der Bedarf durch den Ausbau globaler Rechenzentren. Das prognostizierte Datenwachstum durch Künstliche Intelligenz treibt die Materialnachfrage indirekt voran. Dies erfordert resiliente Rohstoffstrategien in der IT-Hardwareentwicklung. „Digitalisierung ist auch immer eine Materialisierung und ‘die Cloud‘ ein technologiebasiertes System, das wirklich viele Rohstoffe braucht – keine wattebauschige, leichte Wolke“, sagt Jana Rückschloss.

Strategien zur Sicherung der Rohstoffbasis

Die Materialverfügbarkeit wird zum kritischen Faktor für die technologische Transformation. Die Forschenden empfehlen eine Diversifizierung der Lieferketten und gesteigerte Materialeffizienz. Auch der Ausbau der Kreislaufwirtschaft, Recyclingverfahren und die Substitution kritischer Stoffe sind essenziell. Rohstoffaspekte müssen bereits beim Zelldesign und der Materialauswahl ansetzen.

„Unsere Analyse zeigt keine Prognose, sondern mögliche Entwicklungpfade“, betont Dr. Sabine Langkau. „Die Studie kann als Frühwarninstrument verstanden werden, das klar macht: Wir brauchen eine strategische Industrie- und Rohstoffpolitik, die mit Weitsicht die Rohstoffbasis für Zukunftstechnologien sicherstellt, um nicht kurzfristig auf Versorgungsengpässe und Preissteigerungen reagieren zu müssen.“

Methodik und szenarienbasierte Modellierung

Die Evaluierung basiert auf drei distinkten Entwicklungspfaden bis 2045. Das Szenario „Nachhaltigkeitstransformation“ fokussiert strenge Klimaschutzziele. „Schnelles Wohlstandswachstum“ modelliert rein konsumgetriebene Marktentwicklungen. Das Szenario „Entwicklungshemmnisse“ simuliert geopolitische Spannungen und fragmentierte Märkte. Die ermittelten Bedarfsmengen wurden quantitativ mit den Produktionsdaten des Jahres 2023 abgeglichen.

Studienhintergrund und DERA-Rohstoffmonitoring

Die Untersuchung aktualisiert die Vorgängerberichte von 2009, 2016 und 2021. Sie ist Kernbestandteil des DERA-Rohstoffmonitorings der Bundesregierung. Die beteiligten Fraunhofer-Institute bündeln dafür technologische und zukunftsanalytische Expertise. Eine vorläufige Studienversion steht bereits zur Verfügung.

Quelle

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) (07/2026)

Nach oben scrollen