Wie gesund sind Paranüsse wirklich? Studie klärt über Spurenelemente in der Schalenfrucht auf

5. Januar 2026

Paranüsse gelten als wahre „Selen-Bomben“. Sie sind eine nährstoffreiche Quelle für Kalzium, Magnesium, essenzielle Aminosäuren sowie ungesättigte Fettsäuren. Da bereits eine einzige Nuss den Tagesbedarf an Selen decken kann, wird das Schalenobst gern zur Unterstützung des Immunsystems und zum Zellschutz konsumiert. Die Nüsse enthalten jedoch auch Spuren von Barium und radioaktivem Radium. Deswegen haben Forschende des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und des VKTA erstmals systematisch untersucht, welche Mengen dieser Elemente bei der Verdauung tatsächlich vom Körper aufgenommen werden. Für Verbraucher und Verbraucherinnen liefert die Studie erfreuliche Nachrichten.

„Unsere Studie bestätigt den außergewöhnlich hohen Selengehalt in Paranüssen. Gleichzeitig konnten wir zeigen, dass etwa 85 Prozent des Selens während der Verdauung gelöst werden und dem Körper zur Aufnahme zur Verfügung stehen „, fasst Dr. Astrid Barkleit eine Kernaussage der Studie zusammen.

Mithilfe der Kernspinresonanz-Spektroskopie (NMR) konnten die Forschenden Selenomethionin als die primäre Selenform in Paranüssen identifizieren. Da diese spezielle Aminosäure vom menschlichen Körper besonders effizient verwertet werden kann, stellen Paranüsse eine Quelle für eine ausgesprochen hochwertige Selenverbindung dar.

Unerwartete Begleiter

Neben den förderlichen Inhaltsstoffen reichern Paranussbäume auch andere Elemente aus dem Boden an. Die Böden in ihrer südamerikanischen Heimat sind arm an Kalzium. Deshalb nehmen die Bäume stattdessen chemisch ähnliche Stoffe wie Barium und Radium auf und speichern diese in den Nüssen. Diese können im menschlichen Körper wie Kalzium in die Knochen eingebaut werden. Dabei gilt insbesondere das radioaktive Radium als potenziell gesundheitsschädlich. Es steht im Verdacht, Knochenschäden oder Krebs zu verursachen. Die aktuelle Untersuchung zeigt jedoch, dass beide Stoffe im Verdauungstrakt kaum löslich sind. Nur etwa zwei Prozent des enthaltenen Bariums und Radiums sind bioverfügbar und werden somit tatsächlich freigesetzt.
„Selbst bei täglichem Verzehr einer Paranuss ergibt sich laut Berechnung durch die sehr geringe Bioverfügbarkeit eine Strahlendosis von nur etwa 2,4 Mikrosievert pro Jahr. Das ist nur rund ein Tausendstel der natürlichen jährlichen Strahlenbelastung in Deutschland, die vom Bundesamt für Strahlenschutz mit durchschnittlich 2,1 Millisievert pro Jahr angegeben wird. Davon wiederum werden rund zehn Prozent mit der Nahrung aufgenommen. Damit ist die Strahlenbelastung, die vom Radium in Paranüssen ausgeht, deutlich geringer als bisher angenommen“, erläutert Dr. Diana Walther.

Die Forschenden vermuten, dass die geringe Löslichkeit auf pflanzliche Speicherstoffe zurückzuführen ist. In den Paranüssen wurde Phytinsäure nachgewiesen, welche Mineralstoffe und Metalle fest bindet und so deren Aufnahme im Körper blockiert. Da nicht jedes in der Nahrung enthaltene Element automatisch verwertet wird, simulierten die Wissenschaftler den Verdauungsprozess im Labor mit künstlichem Speichel, Magensaft und Enzymen bei Körpertemperatur. So ermittelten sie die „Bioverfügbarkeit“ – also den Anteil, der tatsächlich in Lösung geht und im Dünndarm aufgenommen werden kann.

Zusätzlich wurden weitere Spurenelemente wie Strontium, Lanthan und Europium analysiert. Während das chemisch kalziumähnliche Strontium zu etwa 50 Prozent bioverfügbar ist, sind die Mengen so gering, dass keine toxikologische Relevanz besteht. Die Seltenen Erden Lanthan und Europium waren lediglich in minimalen Konzentrationen nachweisbar. Ihre Bioverfügbarkeit liegt bei rund 25 Prozent, womit die Aufnahmemengen weit unter den geltenden Grenzwerten bleiben.

Hochmoderne Analytik für ein uraltes Lebensmittel

Zur Bestimmung der Elementkonzentrationen kombinierte das Team verschiedene hochspezialisierte Verfahren. Massenspektrometrie sowie Gamma- und Alpha-Spektrometrie für die radioaktiven Isotope, ergänzt durch NMR- und Laser-Fluoreszenz-Methoden zur Analyse der chemischen Bindungsformen. Ein weiterer Fokus der Untersuchung lag auf der Frage, ob Bestandteile der Paranuss die Effektivität von Dekorporationsmitteln beeinträchtigen könnten – also Substanzen, die radioaktive Stoffe nach einer Kontamination aus dem Körper ausleiten. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass die Zusammensetzung der Nüsse die Wirksamkeit dieser Mittel nur minimal beeinflusst.

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass Paranüsse ein wertvolles Lebensmittel sind – insbesondere als natürliche Selenquelle“, fasst Barkleit zusammen. „Gleichzeitig zeigen sie, dass die enthaltenen toxischen Elemente aufgrund ihrer geringen Löslichkeit beim Verzehr kaum eine Rolle spielen.“

Quelle

Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (12/2025)

Publikation

A. Barkleit, J. Eum, D. Walther, D. Butscher, S. Friedrich, K. Müller, J. Kretzschmar, In Vitro Bioaccessibility and Speciation of Toxic and Nutritional Trace Elements in Brazil Nuts, in International Journal of Molecular Sciences, 2025 (DOI: 10.3390/ijms26178312)
https://www.mdpi.com/1422-0067/26/17/8312

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