Wie das Immunsystem lebenslange Virusinfektionen bekämpft

4. Mai 2026

Weltweit tragen Millionen Menschen Virusinfektionen in sich, die bereits bei der Geburt übertragen wurden und oft lebenslang bestehen bleiben. Während die moderne Medizin Übertragungen, etwa mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV), heute häufig verhindern kann, bleibt eine einmal etablierte Infektion bislang unheilbar – eine Realität für über 250 Millionen Betroffene. Entgegen der langjährigen Annahme, das Immunsystem würde diese Erreger weitgehend tolerieren, belegen Forschende des Departements Biomedizin der Universität Basel nun, dass die körpereigene Abwehr durchaus aktiv gegen das Virus vorgeht. Diese Erkenntnis, dass das Immunsystem im Erwachsenenalter effizienter reagiert als vermutet, könnte als Grundlage für neue Therapieansätze dienen.

„Unsere Studie verändert, wie wir über chronische Infektionen denken, die früh im Leben begonnen haben“, sagt Dr. Katrin Martin. „Wir haben festgestellt, dass das Immunsystem das Virus im Erwachsenenalter mit Teilerfolg bekämpft, obschon gewissermassen mit angezogener Handbremse.“

Wie der Körper auf das Virus reagiert

Das Forschungsteam untersuchte die langfristige Immunreaktion mithilfe eines Mausmodells, welches zentrale Aspekte einer Infektion bei der Geburt simuliert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Körper schrittweise Antikörper entwickelt, welche die Viruslast senken, wobei diese Reaktion maßgeblich von spezialisierten T-Helferzellen unterstützt wird. Diese Zellen fördern die Produktion wirksamerer Antikörper und erweisen sich im Erwachsenenalter als durchaus aktiv gegen den Erreger. „Allerdings sind sie seltener und weniger vielfältig als bei Infektionen, denen man später im Leben begegnet“, erklärt Dr. Peter Reuther. Infolgedessen bleibt die Immunantwort limitiert, was eine vollständige Beseitigung des Virus verhindert.

Virus

Das Immunsystem bekämpft bei Geburt übertragene Infektionen auch noch im Erwachsenenalter, bleibt jedoch in seiner Wirksamkeit eingeschränkt.

Die Abwehr gezielt stärken

In einem weiteren Schritt untersuchten die Forschenden, ob sich die eingeschränkte Abwehr gezielt verstärken lässt. Experimente zeigten, dass die Antikörperreaktion durch die Gabe zusätzlicher T-Helferzellen tatsächlich verbessert werden konnte, was darauf hindeutet, dass deren mangelnde Verfügbarkeit eine zentrale Barriere bei frühkindlich erworbenen Infektionen darstellt. Als Ursache vermutet das Team den Zeitpunkt der Infektion während einer sensiblen Phase der Immunentwicklung, wodurch die Entstehung spezifischer T-Zellen begrenzt bleibt und der Organismus eine partielle Toleranz entwickelt, die das Virus begünstigt.

„Dass sich die Immunreaktion durch Zugabe von zusätzlichen T-Helferzellen verstärken liess, ist im Hinblick auf neue Therapieansätze vielversprechend“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Daniel Pinschewer. „Wir bauen damit auf bestehende und teilweise effektive Mechanismen der Abwehr auf, statt dass wir versuchen müssten, eine völlig fehlende Abwehrreaktion herbeizuführen.“

Quelle

Universität BaseI (04/2026)

Publikation

Katrin Martin, Peter Reuther et al.
Perinatal infection elicits clonally restricted T follicular helper cell responses that drive antibody-mediated viral control
Immunity (2026), doi: 10.1016/j.immuni.2026.03.004
https://doi.org/10.1016/j.immuni.2026.03.004

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