Ultraschnelles Mikroskopieverfahren für optische Prozesse

1. Juni 2026

Ein innovatives deutsch-italienisches Kooperationsprojekt hat ein extrem schnelles Mikroskopieverfahren entwickelt, das optische Prozesse auf minimalen Zeitskalen sichtbar macht. Durch die geschickte Kombination von holographischer Bildgebung und ultraschneller Spektroskopie gelang es den Wissenschaftlern, selbst extrem kurzlebige elektronische und magnetische Phänomene zu beobachten. Diese Erkenntnisse sind von zentraler Bedeutung für die Entwicklung und Anwendung neuartiger Energiematerialien. An den erfolgreichen Forschungsarbeiten waren Physiker und Chemiker der Universität Heidelberg sowie des Polytechnikums und des Instituts für Photonik und Nanotechnologie in Mailand maßgeblich beteiligt.

Lichtpulse entschlüsseln Materialdynamiken

Das technologische Herzstück dieser Forschung bildet ein innovatives Pump-Probe-Mikroskop für sogenannte Anregungs- und Abfrageexperimente. Bei diesem Verfahren regt ein erster kurzer Lichtpuls das Untersuchungsmaterial gezielt an, während ein nachfolgender zweiter Puls dessen zeitabhängige Reaktion präzise abbildet. Die Rekonstruktion der ablaufenden Prozesse gelingt schließlich durch den direkten Vergleich von Messungen mit ein- und ausgeschalteter Anregung. „In der Verbindung von holographischer Bildgebung mit ultraschneller Spektroskopie lassen sich elektronische und magnetische Dynamiken räumlich aufgelöst und auf Zeitskalen von Femto- bis Pikosekunden verfolgen“, erläutert Dr. Julia Anthea Gessner.

Mikrometer-Filme fangen Materialdynamiken ein

Die innovative Methode des deutsch-italienischen Forschungsteams erlaubt es, elektromagnetische Phänomene simultan und über ausgedehnte Sichtfelder hinweg visuell zu erfassen, wie Dr. Martin Hörmann vom Polytechnikum Mailand erläutert. Im Vergleich zu herkömmlichen Mikroskopieverfahren lassen sich auf diese Weise mikrometergroße Bereiche abbilden und zeitaufgelöste „Filme“ der elektronischen Ladungs- und Spindynamik generieren. Darüber hinaus macht dieser Ansatz auch jene Veränderungen der optischen Materialeigenschaften sichtbar, die durch Lichtinduktion entstehen. „Unser chiroptischer Ansatz eröffnet damit völlig neue Möglichkeiten, dynamische Prozesse in komplexen Materialien direkt zu beobachten“, so Dr. Hörmann.

Nachhaltige Technologien im Visier: Neue Impulse für die Optoelektronik

Dieses besonders hochauflösende und ultraschnelle bildgebende Verfahren soll künftig vor allem bei der Erforschung von Energiematerialien eingesetzt werden, die für nachhaltige Technologien wie Solarzellen, LEDs und Spin-LEDs sowie innovative elektronische Bauelemente unverzichtbar sind. „Die Mikroskopietechnik eröffnet neue Einblicke in ultraschnelle optische Prozesse insbesondere im Hinblick darauf, wie sie sich im Zusammenhang mit Zusammensetzung und Struktur der Materialien verändern“, betont Prof. Dr. Felix Deschler. Nach den Worten von Prof. Dr. Franco V. A. Camargo kann die detaillierte Analyse dieser Licht-Materie-Wechselwirkung wegweisende Erkenntnisse liefern, um noch effizientere und langlebigere Komponenten für die Optoelektronik und die Spintronik zu entwickeln.

Quelle

Universität Heidelberg (05/2026)

Publikation

M. Hörmann, F. Visentin, J. A. Gessner, P. Kollenz, S. Liu, M. Heindl, F. Deschler, G. Cerullo, F. V. A. Camargo: Ultrafast holographic chiroptical microscopy. Nature Photonics (8 April 2026), https://doi.org/10.1038/s41566-025-01824-9

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