Tomaten- und Paprika-Anbau gefährdet

9. März 2026

Forschende der Abteilung Pflanzenviren am Leibniz-Institut DSMZ, des italienischen Nationalen Forschungsrats (CNR) und von BASF-Nunhems Italy veröffentlichten kürzlich ihre Untersuchungen zu resistenzbrechenden Stämmen des Tomato spotted wilt virus (TSWV) in Tomaten- und Paprikafeldern. Die Ergebnisse belegen dabei erstmals das Auftreten sogenannter doppelter resistenzbrechender Stämme (D-RB) des TSWV unter realen landwirtschaftlichen Bedingungen.

Ein neues Szenario in der Landwirtschaft

Die Studie macht auf ein neues, erhebliches Risiko im Umgang mit dem Tomato spotted wilt virus aufmerksam, das als eines der gefährlichsten Pflanzenviren weltweit gilt und bei Zier- sowie Gemüsepflanzen wie Tomate und Paprika massive Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen ganzer Felder verursacht. Während bisher die Kombination aus resistenten Sorten und Insektenbekämpfung als effektivste Abwehr galt, zeigt die aktuelle Untersuchung ein besorgniserregendes Szenario in der landwirtschaftlichen Praxis auf. Dr. Paolo Margaria erläutert die Tragweite der Entdeckung: „Da die Resistenz gegen TSWV bei Tomate und Paprika auf unterschiedlichen Genen beruht, galt eine wechselnde Fruchtfolge beider Kulturen lange als sichere und nachhaltige Methode, um das Risiko von Resistenzdurchbrüchen zu minimieren. Unsere Forschung zeigt nun, dass TSWV-Stämme existieren, die in der Lage sind, die Resistenz beider Pflanzenarten zu überwinden“.

Auswirkungen auf die Praxis und Strategien im Krankheitsmanagement

Die aktuellen Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass bestimmte agronomische Praktiken, wie der Wechselanbau resistenter Sorten oder deren räumliche Nähe, unbeabsichtigt die Selektion und Verbreitung aggressiverer Virusvarianten begünstigen können. Dieses in Italien bereits beobachtete Szenario könnte weltweit Schule machen und erfordert laut Dr. Paolo Margaria ein Umdenken: „Unsere Ergebnisse eröffnen neue Erkenntnisse für Produktionssysteme, in denen Tomaten und Paprika räumlich nah angebaut werden, und machen eine Neubewertung derzeitiger landwirtschaftlicher Praktiken und Strategien im Krankheitsmanagement notwendig. Besonders empfehlen wir ein systematisches Screening nach D-RB-Stämmen des TSWV überall dort, wo beide Kulturen in unmittelbarer Nähe wachsen. Überwachung und angepasste Managementansätze sind entscheidend, um Risiko, Ausbreitung und Auswirkungen dieser neuen Virusvarianten zu reduzieren und die Erträge zu sichern.“

Ein zentraler Aspekt der Studie war die molekulare Charakterisierung der Genomsequenzen dieser D-RB-Stämme, die eine spezifische Aminosäurerest-Variation im Bewegungsprotein aufweisen. Diese Mutation ermöglicht es dem Virus, die pflanzliche Resistenz zu durchbrechen, und wurde in dieser Form bislang in Italien nicht nachgewiesen. Damit liefern die Ergebnisse eine wertvolle wissenschaftliche Grundlage, um die Resistenzmechanismen und Abwehrreaktionen wichtiger Nutzpflanzen besser zu verstehen und künftige Ernten zu schützen.

Quelle

Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH (03/2026)

Publikation

Forgia, M.a, Margaria, P.a, Mammella, M., & Ciuffo, M. (2026). Characterization of Italian resistance-breaking isolates of tomato spotted wilt virus reveals double resistance-breaking strains in tomato and pepper and new insights into the occurrence of the recently reported D122G substitution in the NSm protein. Virology, 110820. aequal contribution
https://doi.org/10.1016/j.virol.2026.110820

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