Studie zu Blutmarkern: Neuer Ansatz für künftige Diagnostik

20. Januar 2026

In einer aktuellen internationalen Forschungsarbeit, an der auch Wissenschaftler:innen der Universität Duisburg-Essen beteiligt waren, wurde die medizinische Relevanz extrazellulärer Vesikel (EVs) im menschlichen Blut untersucht. Diese Studie wurde nun von der Universität Ljubljana als eines der „Outstanding Research Achievements of 2025“ gewürdigt.

Bei extrazellulären Vesikeln handelt es sich um winzige Partikel, die von Zellen in Körperflüssigkeiten wie das Blut abgegeben werden. Da sie spezifische Informationen über ihren Ursprungsort im Körper transportieren, gelten sie als vielversprechende Basis für moderne, nicht-invasive Diagnoseverfahren – etwa zur frühzeitigen Erkennung von Krebs oder neurologischen Erkrankungen. Trotz dieses Potenzials mangelte es der Forschung bislang an verlässlichen Vergleichswerten von gesunden Probanden.

Zelluläre Herkunft und individuelle Variabilität extrazellulärer Vesikel im Blut

Die Studie schließt diese Lücke. Hierbei wurden erstmals die Blutproben von 200 gesunden erwachsenen Spender:innen systematisch und quantitativ analysiert. Dabei gelang es aufzuzeigen, aus welchen Zelltypen diese Vesikel stammen und in welchem Maße ihre Konzentration individuell variiert. Darüber hinaus untersuchten die Forschenden detailliert, wie äußere und biologische Faktoren wie das Alter, das Geschlecht, der menopausale Status oder das Rauchen die Zusammensetzung bestimmter EV-Gruppen beeinflussen.

Systematische Charakterisierung extrazellulärer Vesikel als Basis für zukünftige Bluttests

Die zugrunde liegenden Blutproben von Kooperationspartnern in Ljubljana erhoben und wurden teilweise an das Institut für Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Essen übermittelt. Die anschließende Analyse dieser Proben erfolgte durch Dr. Tobias Tertel mittels hochauflösender bildgebender Durchflusszytometrie. Hierbei hat man 25 speziell validierte Antikörper eingesetzt, die zuvor gezielt für die Untersuchung einzelner extrazellulärer Vesikel qualifiziert worden waren.
„Unsere Messungen liefern die Grundlage dafür, extrazelluläre Vesikel im Blut überhaupt zuverlässig vergleichen zu können“, erklärt Dr. Tobias Tertel. „Ohne diese systematische Charakterisierung wäre eine spätere diagnostische Nutzung kaum möglich.“

Die umfangreichen Datensätze wurden anschließend von den Kolleginnen in Ljubljana mit klinischen Daten der Spender:innen verknüpft und durch weitere Methoden ergänzt.
„Die Auszeichnung unterstreicht den Wert unserer engen Zusammenarbeit“, so Prof. Dr. Bernd Giebel, Ko-Autor der Studie. „Gemeinsam konnten wir Referenzdaten liefern, auf die zukünftige medizinische Studien aufbauen können.“

„Mit dieser Arbeit legen wir ein wichtiges Fundament für die Nutzung von Blut-EVs als diagnostisches Werkzeug“, ergänzt Dr. Metka Lenassi von der Universität Ljubljana. „Gerade für die Früherkennung und Verlaufskontrolle von Erkrankungen ist das ein großer Schritt.“

Die Ergebnisse dieser Untersuchung dienen als vollumfängliche Referenz für extrazelluläre Vesikel bei gesunden Erwachsenen. Damit kann man diese Partikel künftig als präzises Werkzeug in der personalisierten Medizin nutzbar machen.

Quelle

Universitätsklinikum Essen (01/2026)

Publikation

Comprehensive Phenotyping of Extracellular Vesicles in Plasma of Healthy Humans – Insights Into Cellular Origin and Biological Variation
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39834131/

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