Proteinhemmung kann Leukämiezellen schwächen

10. April 2026

In einer Studie der Universitätsmedizin Mainz gelang es Forschenden, Krebszellen bei akuter myeloischer Leukämie (AML) durch einen neu entdeckten Mechanismus gezielt zu schwächen. Die Hemmung spezifischer Proteine, welche die Genaktivität beeinflussen, löste in den Tumorzellen eine starke Immunantwort aus. Diese ähnelte einer Grippe und leitete deren Zelltod ein. Dieser Effekt ließ sich durch immunstimulierende Botenstoffe zusätzlich verstärken, was langfristig den Weg für neue Kombinationstherapien ebnen könnte. Dies ist besonders bedeutsam, da AML eine aggressive Form von Blutkrebs ist, bei der sich funktionsunfähige Vorläuferzellen im Knochenmark unkontrolliert vermehren. Indem sie die gesunden Blutzellen verdrängen, stören sie lebenswichtige Prozesse wie den Sauerstofftransport, die Blutgerinnung und die Immunabwehr massiv.

„Fehlalarm“ im Erbgut: Neue Schwachstelle bei AML entdeckt

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Daniel Sasca untersuchte die Wirkung einer Hemmung der Proteine p300 und CBP, die als Schaltzentralen die Genaktivität steuern. Entgegen der bisherigen Annahme, dass diese Hemmung die Genaktivität generell abschwächt, zeigten die Ergebnisse das Gegenteil. In einem Teil der Krebszellen wurden gezielt Abwehrprogramme aktiviert. Dies schaltete Gene frei, die normalerweise der Abwehr von Virusinfektionen dienen, woraufhin die Tumorzellen ihr Wachstum einstellten und schließlich abstarben. „Wir sehen hier eine Art Fehlalarm im Inneren der Krebszellen“, erklärt Dr. Sasca. „Die Tumorzellen bekommen durch unsere Therapie eine schwere Grippe und gehen daran zugrunde.“

Kombinationsstrategie aktiviert Selbstzerstörung von Leukämiezellen

Diesen Effekt konnten die Forschenden gezielt verstärken, indem sie die Therapie mit dem körpereigenen Abwehrstoff Interferon-alpha kombinierten. Darauf reagierten die Krebszellen besonders empfindlich. Sowohl in Zellkulturen als auch in Tiermodellen zeigte diese Kombinationstherapie eine deutlich gesteigerte Wirksamkeit gegen die Leukämie. Um diesen Prozess zu verstehen, untersuchten die Wissenschaftler:innen den Mechanismus mittels moderner biochemischer Analysemethoden wie Einzelzelluntersuchungen und Proteomanalysen auf mehreren Ebenen der Genregulation gleichzeitig. Durch diesen mehrdimensionalen Blick auf die Reaktion der Leukämiezellen auf die Hemmung von p300 und CBP lieferte die Studie wichtige Grundlagen. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Behandlung der akuten myeloischen Leukämie durch innovative Ansätze, welche die gezielte „Selbstabwehr“ der Krebszellen nutzen.

Quelle

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (04/2026)

Publikation

Markus Meyerhöfer, Yawen Zhou, Aaron Gallego-Crespo , Viral Shah, Malte Behrendt, Maria Saura-Pañella, Björn Häupl, Oleksandr Todoriuk, Monika Hartmann, Matthias Klein, Catherine Wölfel, Patricia Hähnel, Christian Michel, Sabine Muth, Thomas Kindler, Tobias Bopp, Hansjörg Schild, Sarah Horton, Markus Radsak, Matthias Theobald, George Vassiliou, Brian Huntly, Michael Kühn, Falk Butter, Thomas Oellerich, Daniel Sasca
Inhibition of p300/CREBBP catalytic activity drives context-dependent transcriptional activation in AML, Blood (2026)
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S000649712600653

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