Genscheren mit Potenzial bei seltener Immunkrankheit

20. Mai 2026

Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg haben im Labor nachgewiesen, dass sich erbliche Defekte im Immunsystem gezielt mithilfe von Genscheren korrigieren lassen. Am Mausmodell einer seltenen Immunkrankheit gelang es ihnen, die Funktion essenzieller Abwehrzellen erfolgreich wiederherzustellen und die Tiere so vor einer lebensgefährlichen Entzündungsreaktion zu schützen. Gleichzeitig verdeutlicht die Studie, dass sich das Sicherheitsprofil der Genomeditierung je nach verwendeter Methode und betroffenem Zelltyp deutlich unterscheidet. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Genomeditierung ein vielversprechender Ansatz für die Korrektur seltener erblicher Erkrankungen sein kann“, sagt Prof. Dr. Toni Cathomen.

Wie Genscheren genetische Fehler beheben

Als molekularbiologische Werkzeuge ermöglichen Genscheren es Forschenden, einzelne Stellen im Erbgut ganz gezielt zu modifizieren. Diese Werkzeuge steuern eine vordefinierte DNA-Sequenz an, um dort entweder den DNA-Strang zu schneiden oder einzelne Bausteine der Erbinformation gezielt umzuwandeln. Die anschließende Reparatur dieser Bruchstelle übernimmt die Zelle eigenständig, wodurch krankheitsverursachende genetische Fehler direkt im Erbgut korrigiert werden können.

Gen-Korrektur stoppt Immun-Fehlfunktion

Gegenstand der Untersuchung war die familiäre hämophagozytische Lymphohistiozytose, eine seltene Erbkrankheit, bei der bestimmte Abwehrzellen nicht mehr in der Lage sind, infizierte Körperzellen wirksam zu eliminieren, was zu einer unkontrollierten Reaktion des Immunsystems führen kann. Den Freiburger Forschenden gelang es, den krankheitsverursachenden genetischen Defekt im Erbgut von Mäusen mithilfe von Genscheren gezielt zu korrigieren. Infolgedessen nahmen die Zellen ihre korrekte Funktion wieder auf, wodurch die Tiere effektiv vor der schweren Entzündungsreaktion geschützt wurden.

Zelltyp und Methode entscheiden: Neue Erkenntnisse zur Sicherheit von Genscheren

Zugleich verglich das Team verschiedene Verfahren der Genomeditierung in unterschiedlichen Zelltypen, wobei sich herausstellte, dass sich unerwünschte Veränderungen im Erbgut je nach Methode und Zelltyp deutlich voneinander unterscheiden. Diese Erkenntnis ist für die Entwicklung neuer Therapien von zentraler Bedeutung. „Die Sicherheit von Verfahren zur Genomeditierung muss immer im konkreten klinischen Zusammenhang bewertet werden“, sagt Cathomen.

Quelle

Universitätsklinikum Freiburg (05/2026)

Publikation

Genotoxicity profiling reveals distinct platform- and cell type–specific effects in therapeutic gene editing for genetic hyperinflammation
DOI: 10.1016/j.stem.2026.04.014
http://www.cell.com/cell-stem-cell/fulltext/S1934-5909(26)00154-2

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