Forschende des DZNE haben im menschlichen Erbgut über 50 bislang unbekannte Regionen identifiziert, die die chemische Struktur und Konzentration von Blutfetten beeinflussen. Die Befunde basieren auf den Blutproben von mehr als 8.000 Menschen. Sie könnten neue Einblicke in Alterungsprozesse sowie in Erkrankungen wie Alzheimer, Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden ermöglichen. Grundlage für diese Entdeckungen waren Proben aus der Rheinland Studie, einer Bonner Bevölkerungsstudie, sowie Daten weiterer Untersuchungen.
Detaillierteste Genetik-Studie entschlüsselt die vielschichtige Welt der Lipide
Fettstoffe, auch als Lipide bezeichnet, existieren im menschlichen Organismus in zahllosen Varianten, wobei sie neben ihrer Funktion als struktureller Bestandteil von Zellmembranen auch maßgeblich an Stoffwechselvorgängen und Signalprozessen beteiligt sind. „Lipide sind weit mehr als nur das ‚gute‘ und ‚schlechte‘ Cholesterin, von denen oft zu hören ist: Tatsächlich zirkulieren Tausende unterschiedliche Lipide in unserem Körper. Manche davon spielen mutmaßlich eine wichtige Rolle bei Alterungsprozessen und der Entstehung von Krankheiten. Das ist eine vielschichtige molekulare Welt. Dennoch ist die genetische Grundlage vieler Lipide noch wenig erforscht“, erläutert Dr. Mohammed Aslam Imtiaz, der den Einfluss genetischer Faktoren auf die Gesundheit des Menschen untersucht. „Uns ist es nun gelungen, diese komplexe Gemengelage ein Stück weit zu entschlüsseln. Nach unserem Wissen handelt es sich um die bislang detaillierteste Studie über die Genetik von Lipiden.“
Dr. Elvire Landstra ergänzt dazu: „Die Baupläne von Lipiden sind zwar nicht im Erbgut hinterlegt. Das gilt gleichwohl für die Baupläne von Proteinen und regulatorischen Molekülen, aus denen die Vielfalt der Lipidwelt hervorgeht. Das betrifft insbesondere Enzyme, sogenannte Lipidtransferproteine und RNAs, die die Genexpression steuern. Deren genetischen Hintergrund haben wir modernsten wissenschaftlichen Methoden erfasst.“
Daten aus Deutschland und Finnland
Die Ergebnisse beruhen auf der Analyse von Blutproben von über 6.000 Erwachsenen aus Bonn, die an der auf Jahrzehnte angelegten Rheinland Studie des DZNE zum gesunden Altern teilnehmen. Zur Überprüfung der Resultate wurden zudem Daten zweier weiterer Studien aus Brandenburg und Finnland herangezogen, sodass der Datenbestand insgesamt mehr als 8.000 Personen umfasste. Eine zentrale Rolle spielte dabei der computergestützte Ansatz der „genomweiten Assoziationsstudie“, mit dessen Hilfe die Forschenden gezielt Zusammenhänge zwischen Merkmalen des Erbguts und weit über 900 verschiedenen Lipiden herstellen konnten.
Bedeutsam für Altern und Gesundheit
„Wir haben zahlreiche bisher unbekannte Gene gefunden, die sich auf Lipide im Körper auswirken. Das ist relevant, weil manche Fettmoleküle mit Alterungsprozessen zusammenhängen oder auch mit schweren Krankheiten, beispielsweise mit Herz-Kreislauf-Störungen, Typ-2-Diabetes und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer“, sagt Prof. Dr. Dr. Monique Breteler. „Wenn wir die Zusammenhänge zwischen Genetik und Lipiden präzise erfassen, können wir auch besser verstehen, wie Krankheiten entstehen. Derlei Erkenntnisse könnten dazu beitragen, Krankheitsrisiken besser einzuschätzen, neue Diagnoseverfahren zu entwickeln und wirksamere Therapien.“
Quelle
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) (05/2026)
Publikation
Population-based genome-wide association study of plasma complex lipid species.
Elvire N. Landstra, Mohammed A. Imtiaz et al.
Nature Communications (2026).
URL/DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-026-72542-1