Der Berufseinstieg für promovierte Chemikerinnen und Chemiker in Deutschland hat sich 2025 eingetrübt. Nur noch rund 33 Prozent von ihnen begannen ihre Laufbahn direkt in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 42 Prozent. Zugleich stieg der Anteil der Stellensuchenden zum Erhebungszeitpunkt auf 10,4 Prozent. Im Vorjahr betrug dieser Wert 7 Prozent. Das geht aus der aktuellen „Statistik der Chemiestudiengänge 2025“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hervor. Diese Daten werden seit 1952 jährlich erhoben.
Veränderungen bei den Karrierewegen und Postdocs
Das Jahr 2025 unterbricht damit eine längere Phase stabiler Beschäftigung. Der Anteil derer, die zunächst für einen Postdoc-Aufenthalt ins Ausland gingen, stieg auf knapp 13 Prozent. Im Jahr 2024 waren es 9,5 Prozent. Befristete Einstiege im Inland lagen bei rund 16,5 Prozent. Im Vorjahr betrug dieser Anteil 18 Prozent. In der Wirtschaft außerhalb der Chemie blieb der Anteil mit knapp 15 Prozent stabil.
Methodische Einordnung der Verbleibsquote
Die Werte sind allerdings vorsichtig einzuordnen. Sie beruhen auf Rückmeldungen zu 695 von 1.799 promovierten Absolventinnen und Absolventen. Der Verbleib ist somit von rund 39 Prozent bekannt. Die Aussagekraft der Daten ist daher begrenzt. Die Zahlen zeigen lediglich eine Tendenz, keinen gesicherten Befund.
„Der Berufseinstieg in der Chemie war über viele Jahre verlässlich. Die aktuellen Zahlen deuten auf eine mögliche Eintrübung hin, die wir aufmerksam beobachten“, sagt GDCh-Geschäftsführer Dr. Tom Kinzel. „Sie dürfte auch die angespannte Lage der chemischen Industrie am Standort Deutschland widerspiegeln. Ob es sich um eine vorübergehende Schwankung oder eine längerfristige Entwicklung handelt, werden erst die kommenden Jahre zeigen.“
Demografisch bedingter Rückgang der Studienanfänger
Unabhängig vom Arbeitsmarkt sank 2025 auch die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in den Chemiestudiengängen. Insgesamt nahmen 7.788 Personen ein Chemiestudium auf. Das sind 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr.
Dieser Rückgang ist vor allem demografisch bedingt. Laut Statistischem Bundesamt und Bayerischem Landesamt für Statistik sank die Zahl der Studienberechtigten 2025 deutlich. Grund war die Umstellung von G8 auf G9 in Bayern. Dadurch entstand ein nahezu „leerer“ Abiturjahrgang. In Bayern gab es fast 50 Prozent weniger Studienberechtigte.
Mögliche mittelfristige Wechselwirkungen
Beide Entwicklungen hängen nicht ursächlich zusammen. Mittelfristig könnten sie sich jedoch berühren. Historisch hatte ein schwieriger Arbeitsmarkt sinkende Studienanfängerzahlen zur Folge. Das zeigte sich etwa in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre. Ob der aktuell eingetrübte Berufseinstieg ähnlich nachwirkt, lässt sich derzeit nicht absehen.
Detaillierte Verteilung des Berufsverbleibs
Vom bekannten Verbleib der Promovierten entfielen knapp 15 Prozent auf die übrige Wirtschaft. Jeweils etwa 5 Prozent blieben an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut. Im Jahr 2024 waren es 4 Prozent. In den öffentlichen Dienst gingen 6 Prozent. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 4 Prozent. Da die Erhebung zum Stichtag 31. Dezember erfolgt, dürfte die reale Stellensuchendenquote etwas niedriger liegen.
Entwicklung der Gesamtschulzahlen und Absolventen
Im Jahr 2024 begannen noch 8.004 Personen das Studium. In Chemie, Biochemie und an den HAW sanken die Anfängerzahlen. In der Lebensmittelchemie stiegen sie leicht. Die Gesamtzahl der Chemie-Studierenden sank zum vierten Mal in Folge auf 31.040 Personen. Im Vorjahr lag sie bei 31.874. Die Zahl der Doktorandinnen und Doktoranden betrug 8.990. Im Jahr 2024 waren es 9.028. Insgesamt wurden 1.799 Promotionen im Fach Chemie erfolgreich abgeschlossen. 2024 lag dieser Wert bei 1.828.
Datengrundlage und Umfang der GDCh-Statistik
Die jährliche Erhebung umfasst verschiedene spezifische Studiengänge. Dazu gehören Chemie, Wirtschaftschemie, Biochemie, Life Sciences und Lebensmittelchemie. Auch die Chemiestudiengänge der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften werden erfasst. Dokumentiert werden Anfänger- und Studierendenzahlen sowie bestandene Abschlussprüfungen. Auch Abschlussnoten, die Studiendauer und der gemeldete Berufsverbleib fließen ein.
Quelle
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (07/2026)
Publikation
Broschüre „Statistik der Chemiestudiengänge 2025“
Alle detaillierten Kennzahlen stehen als Blätterkatalog kostenfrei unter http://www.gdch.de/statistik zur Verfügung.