Diabetes-Prävention: Epigenetische Veränderungen könnten den Nutzen gesunder Ernährung beeinflussen

21. September 2026

Eine ausgewogene Ernährung gilt als zentraler Baustein der Primärprävention des Typ-2-Diabetes. Inwieweit die Effektivität diätetischer Interventionen jedoch von der individuellen Suszeptibilität determiniert wird, untersuchten Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Die Studie von Christine El-Khoury und Prof. Matthias Schulze analysierte differenziert den Einfluss der genomischen Veranlagung – erfasst über polygene Risicoscores (PRS) – sowie epigenetischer Biomarker auf Basis spezifischer DNA-Methylierungsmuster.

Methodik und Kohortenanalyse der EPIC-Potsdam-Studie

Die Datengrundlage bildete die bevölkerungsbasierte EPIC-Potsdam-Kohorte. Für die genetischen Analysen wurden Proben einer Subkohorte (n=2.204) sowie von Inzidenzfällen mit Typ-2-Diabetes (n=750) ausgewertet. Das Methylom-Screening umfasste n=1.065 Kontrollen und n=676 Diabetesfälle. Die Ernährungsqualität wurde über etablierte Indizes erfasst, die unter anderem das anti- bzw. proinflammatorische Potenzial der Kost bewerten. Es zeigte sich, dass der protektive Effekt einer ausgewogenen Ernährung vollkommen unabhängig vom polygenen Risikoprofil der Probanden besteht.

Epigenetische Interaktionen und der Methylation Risk Score

Differenzierte Ergebnisse ergab die Analyse der DNA-Methylierungsmuster. Diabetes-assoziierte Epimutationen wurden in einem Methylation Risk Score (MRS) aggregiert. „Auch in EPIC-Potsdam zeigte sich: Je höher dieser Wert war, desto größer war das Risiko, im späteren Verlauf an Typ-2-Diabetes zu erkranken“, sagt El-Khoury.
Es zeigten sich deutliche Interaktionseffekte zwischen dem MRS und der Ernährungsqualität: Eine hohe Ernährungsqualität – charakterisiert durch einen hohen Anteil an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Leguminosen, Nüssen, Fisch und pflanzlichen Fetten bei gleichzeitig geringem Konsum von rotem bzw. verarbeitetem Fleisch und gesüßten Getränken – korrelierte vorrangig bei Personen mit niedrigem MRS mit einer Reduktion des Erkrankungsrisikos. Bei Teilnehmenden mit hohem MRS war dieser präventive Effekt hingegen nicht statistisch signifikant nachweisbar.

Implikationen für die Präzisionsprävention

Die Befunde liefern wichtige Ansätze für eine molekularbiologisch begründete Präzisionsprävention. Bevor epigenetische Biomechanismen jedoch in die klinische Praxis oder individuelle Ernährungsberatung einfließen können, bedarf es einer Validierung. „Wir verstehen unsere Ergebnisse als einen wichtigen Hinweis darauf, welche biologischen Faktoren für eine künftige Präzisionsprävention relevant sein könnten“, sagt Schulze. „Der nächste Schritt ist nun, diese Zusammenhänge in unabhängigen Studien zu überprüfen.“

Quelle

Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (09/2026)

Publikation

El-Khoury, C., Eichelmann, F., Jannasch, F., Schulz, MB: Epigenetic and genetic factors modifying the association between diet quality and incident type 2 diabetes: the EPIC-Potsdam cohort. Cardiovasc. Diabetol. 25 (1), 275 (2026).
https://link.springer.com/article/10.1186/s12933-026-03356-0

Nach oben scrollen