Der Duft von Pompejis Hausaltären

7. April 2026

Der Untergang von Pompeji im Jahr 79 n. Chr. konservierte durch die Asche des Vesuvs auch die Hausaltäre seiner Bewohner. Das ermöglichte einem internationalen Forschungsteam nun eine erstmalige wissenschaftliche Untersuchung römischer Räuchergefäße. Die Analysen der Asche aus zwei Opferschalen aus Pompeji und einer benachbarten Villa mittels modernster Laborverfahren brachten Überraschendes ans Licht: Neben heimischen Pflanzen verbrannten die Menschen auch importierte Duftstoffe aus Afrika oder Asien. Diese Funde belegen eindrucksvoll, dass Pompeji fest in ein globales Handelsnetz eingebunden war. Die einstige Katastrophe erweist sich somit aufgrund der einmaligen Erhaltungsbedingungen als archäologischer Glücksfall für das Verständnis antiker Rauchopfer und weitreichender Wirtschaftsbeziehungen.

Exotische Baumharze aus Afrika oder Asien

„Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen Hauskult tatsächlich verbrannt wurden“, sagt Johannes Eber von der Universität Zürich. „Neben regionalen Pflanzen fanden wir auch Spuren importierter Harze – ein Hinweis auf weitreichende Handelsverbindungen von Pompeji.“ In einem der Gefäße ließen sich dabei Reste eines exotischen Baumharzes nachweisen. Das stammte vermutlich aus den Tropen Afrikas oder Asiens. „Molekulare Analysen deuten auch auf ein Traubenprodukt in einem der Räuchergefäße hin“, sagt Maxime Rageot von der Universität Bonn. „Dies würde mit der Verwendung von Wein in Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und in Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist, archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen“, so Rageot. „Die Verbindung verschiedener aktueller chemischer und mikroskopischer Untersuchungsverfahren macht den religiösen Alltag der Menschen in Pompeji plötzlich greifbar“, erklärt Archäologe Philipp W. Stockhammer.

Weitreichendes Handelsnetz vor knapp 2000 Jahren

Der Archäologische Park von Pompeji präsentiert in einer neuen Dauerausstellung zahlreiche organische Funde wie Pflanzenreste und Lebensmittel. Das unterstreicht die Relevanz moderner Forschungsansätze. „Ohne Pompeji wäre unser Wissen über die römische Welt weniger reich“, sagt Gabriel Zuchtriegel. „Doch es handelt sich um einen Reichtum an Daten und Erkenntnissen, den nur eine zeitgemäße Archäologie angemessen erschließen kann: Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften können wir noch viel über das Leben in der antiken Stadt entdecken.“ Die aktuellen Untersuchungen belegen, dass Pompeji weit mehr als eine Stadt am Vesuv war; sie fungierte als Teil eines globalen Handelsnetzes, dessen weitreichende Spuren sich bis in den Duft der heimischen Hausaltäre zurückverfolgen lassen.

Quelle

Ludwig-Maximilians-Universität München (03/2026)

Publikation

Johannes Eber, Shira Gur-Arieh, Robert C. Power, Maxime Rageot & Philipp W. Stockhammer. Ashes from Pompeii: incense burners, residue analyses and domestic cult practices. In: Antiquity. A Review of World Archaeology, 2026.
https://doi.org/10.15184/aqy.2026.10320

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