Das Chemiestudium in Deutschland erfreut sich weiterhin eines ausgezeichneten internationalen Rufs, was sich in einem hohen Anteil ausländischer Promotionsstudierender (rund 30 % im Jahr 2024) und einem kontinuierlichen Anstieg internationaler Studierender in Bachelor- und insbesondere Masterstudiengängen widerspiegelt. Dies geht aus der aktuellen Statistik der Chemiestudiengänge der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hervor. Im Jahr 2024 begannen 8004 Personen ein Chemiestudium (2023: 8248), und die Zahl der Absolventen mit Master oder Erstem Staatsexamen stieg auf 3546 (2023: 3483). Auch die Zahl der Promotionen erhöhte sich im letzten Jahr auf 2120 (2023: 2040). Absolventen mit abgeschlossener Promotion fanden wie im Vorjahr ähnlich gute Berufseinstiegschancen vor.
Die deutschen Chemiestudiengänge verzeichnen eine signifikant gestiegene Internationalisierung, insbesondere bei den Promotionen. Der Anteil internationaler Promovierender hat sich seit der Jahrtausendwende von 13 % auf 30 % im Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Dieser Trend zeigt sich jedoch auf allen Studienebenen: Im Jahr 2024 waren 14,9 % der Studienanfänger, 20 % der Masterabsolventen und 25,4 % der erfolgreich Promovierten internationaler Herkunft. Bemerkenswert ist, dass internationale Studierende, die früher primär für die Promotion nach Deutschland kamen, sich heute vermehrt dafür entscheiden, bereits ihren Bachelor- oder Masterabschluss hierzulande zu erwerben.
In den einzelnen Studiengängen ergaben sich folgende Ergebnisse:
- Im Bereich Chemie/Wirtschaftschemie stieg die Zahl der Studienanfänger leicht auf 5166 (2023: 5024). Während die Bachelorabschlüsse stabil blieben bei 1910 (2023: 1891), gab es einen leichten Rückgang bei den Masterabschlüssen auf 2052 (2023: 2111). Die Promotionszahlen stiegen auf 1828 (2023: 1771). Die mediane Studiendauer betrug 7,0 Semester für den Bachelor, 5,5 Semester für den Master und 8,8 Semester für die Promotion.
- In Biochemie und Life Sciences verzeichneten die Studienanfänger einen leichten Rückgang auf 1599 (2023: 1680). Die Bachelorabschlüsse sanken leicht auf 871 (2023: 905), während die Masterabschlüsse auf 856 (2023: 807) und die Promotionen auf 253 (2023: 210) anstiegen. Die mediane Studiendauer lag bei 6,9 Semestern für den Bachelor, 5,4 Semestern für den Master und 9,3 Semestern für die Promotion.
- Die Lebensmittelchemie sah einen Rückgang der Studienanfänger auf 274 (2023: 307). Die Anzahl der Absolventen der Hauptprüfung A (1. Staatsexamen) oder Diplomprüfung sank auf 115 (2023: 150), während die Hauptprüfung B (2. Staatsexamen) auf 135 (2023: 125) stieg. Zusätzlich gab es 137 Bachelor- und 150 Masterabschlüsse. Die Promotionszahlen sanken auf 39 (2023: 59). Die mittlere Studiendauer bis zur Hauptprüfung A betrug 11,0 Semester, während Bachelorabschlüsse im Median 6,8 Semester und Masterabschlüsse 4,6 Semester dauerten. Eine mittlere Promotionsdauer konnte hier nicht ermittelt werden.
- An Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) sank die Zahl der Studienanfänger in Chemie auf 965 (2023: 1237). Auch die Bachelorabschlüsse gingen auf 543 (2023: 583) und die Masterabschlüsse auf 373 (2023: 415) zurück. Die mediane Studiendauer betrug 8,3 Semester für den Bachelor und 4,7 Semester für den Master.
Die Studie zeigt, dass ein Großteil der Chemie-Bachelorabsolventen an Universitäten (rund 97 %) und an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) (67 %) ein Masterstudium anschließt. Etwa 80 % der universitären Masterabsolventen beginnen eine Promotion.
Für 45 % der promovierten Chemieabsolventen ist der erste Karriereschritt nach dem Abschluss bekannt. Ein Großteil, nämlich 42,4 %, fand eine Anstellung in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Weitere 17,6 % nahmen eine befristete Stelle im Inland an, inklusive Postdoc-Positionen. Die übrige Wirtschaft beschäftigte 14,8 % der Absolventen, während 9,5 % eine Stelle im Ausland antraten. Rund 4,4 % blieben an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut, und 3,7 % fanden eine Anstellung im öffentlichen Dienst. Zum Zeitpunkt der Erhebung waren 6,6 % der promovierten Absolventen noch stellensuchend.
Die Broschüre „Statistik der Chemiestudiengänge 2024“ steht unter www.gdch.de/statistik als Blätterkatalog zur Verfügung.
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften mit rund 28.000 Mitgliedern, beleuchtet seit 1952 jährlich die aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und auf dem Arbeitsmarkt. Die Statistik für 2024 basiert auf umfassenden Daten der Studiengänge Chemie und Wirtschaftschemie, Biochemie und Life Science, Lebensmittelchemie sowie der Chemiestudiengänge an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). Erfasst wurden dabei unter anderem Anfänger- und Studierendenzahlen, die Anzahl der bestandenen Abschlussprüfungen, Noten und Studiendauern. Zusätzlich lieferten einige Hochschulen Informationen zum Berufseinstieg ihrer Absolventinnen und Absolventen nach dem Studium oder der Promotion. Stichtag der Datenerhebung war der 31. Dezember.