Feuerfußhörnchen als natürliches Reservoir für das Affenpockenvirus Mpox identifiziert

13. Februar 2026

Ein interdisziplinäres Team um Forschende des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) hat das Feuerfußhörnchen als wahrscheinliches natürliches Reservoir für das Affenpockenvirus (MPXV) identifiziert. Die Erkenntnisse resultieren aus der Untersuchung eines Mpox-Ausbruchs bei Rußmangaben im ivorischen Taï-Nationalpark, wobei durch die Kombination ökologischer, verhaltensbezogener und molekularer Daten erstmals die Übertragung von Feuerfußhörnchen auf Primaten in freier Wildbahn belegt wurde. Da Mpox als Zoonose schwere Verläufe beim Menschen verursachen kann und Spillover-Ereignisse aus West- und Zentralafrika bereits globale Ausbrüche auslösten, ist das Verständnis der Zirkulation in Wildtierpopulationen entscheidend für die Prävention künftiger Infektionswellen.

Ein tödlicher Ausbruch unter Mangaben

Die langjährige Überwachung wildlebender Tierarten im ivorischen Taï-Nationalpark durch Forschende des HIOH und des Taï Chimpanzee Project ermöglichte die Aufklärung eines Mpox-Ausbruchs Anfang 2023. In einer Gruppe von Rußmangaben erkrankte etwa ein Drittel der Tiere, wobei vier Jungtiere starben. Die Genomsequenzierung zeigte, dass das Virus nahezu identisch mit einem Stamm war, der kurz zuvor bei einem benachbarten Feuerfußhörnchen gefunden worden war. Den entscheidenden Beweis lieferte eine Kotprobe der Mangaben: Sie enthielt acht Wochen vor dem Ausbruch sowohl Virus-DNA als auch Erbgut des Hörnchens. Verhaltensbeobachtungen bestätigten zudem, dass die Affen Feuerfußhörnchen jagen und verzehren, was den direkten Übertragungsweg des Zoonose-Erregers belegt.

Hörnchen als Reservoir: der Verdacht bestätigt sich

Hörnchen gelten bereits seit Jahrzehnten als potenzielle Reservoirs für das Affenpockenvirus (MPXV). Bereits 1985 gelang in der Demokratischen Republik Kongo die erste Virus-Isolierung aus einem wildlebenden Seilhörnchen, und auch beim US-Ausbruch von 2003 standen importierte Eichhörnchen als Auslöser unter dringendem Verdacht. Dennoch fehlte bisher der direkte Beweis dafür, dass diese Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum tatsächlich Ausbrüche bei anderen Spezies initiieren können. Die aktuelle Studie markiert hier einen entscheidenden Durchbruch, da sie erstmals die Zirkulation des Erregers in der freien Natur lückenlos dokumentiert.

Bedeutung für die menschliche Gesundheit

Infolge des Jagddrucks auf größere Wildtiere werden kleine Arten wie Hörnchen und andere Nagetiere vermehrt zur Nahrungsquelle für Menschen, was die Wahrscheinlichkeit einer MPXV-Exposition und damit das Risiko zoonotischer Übertragungen deutlich erhöht. Die nun belegte Rolle der Feuerfußhörnchen bei der artenübergreifenden Übertragung hat daher weitreichende Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit. „Die Identifizierung der tierischen Virusquellen und der Expositionswege, die zur Übertragung zwischen Arten führen, sind essenziell, um Spillover-Mechanismen zu verstehen und wirksame Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, die das Risiko einer Übertragung auf den Menschen verringern“, sagt Livia V. Patrono. Die Forschenden empfehlen eine verstärkte Sensibilisierung gefährdeter Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Kindern, und fordern ein tieferes Verständnis der Virus-Ökologie in Reservoirarten und Zwischenwirten, um evidenzbasierte Präventionsstrategien in Endemiegebieten zu stärken.

One Health-Ansatz relevanter denn je

Die Forschungsergebnisse unterstreichen eindrucksvoll die Relevanz des One Health-Ansatzes, der die untrennbaren Wechselwirkungen zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und ihrer Umwelt betrachtet. „Diese Entdeckung war nur dank langjähriger ökologischer Forschung, kontinuierlicher Gesundheitsüberwachung und systematischer Probenahme im Taï-Nationalpark möglich“, betont Fabian Leendertz. Er fordert, diese Anstrengungen konsequent fortzusetzen und auszuweiten, um die Risiken durch neu auftretende Infektionskrankheiten wie Mpox besser zu verstehen und proaktiv zu minimieren.

Ergänzend hebt Josef Penninger die Bedeutung der internationalen Vernetzung hervor: „Diese Studie zeigt auch den großen Wert der engen Zusammenarbeit mit unseren afrikanischen Partnern. Nur durch starke, vertrauensvolle Partnerschaften mit lokalen Behörden und Forschungseinrichtungen können wir zoonotische Krankheiten effektiv bekämpfen – und damit nicht nur regional, sondern weltweit etwas bewirken.“

Quelle

Helmholtz-Institut für One Health (HIOH) (02/2026)

Publikation

Carme Riutord-Fe, Jasmin Schlotterbeck, Lorenzo Lagostina, Leonce Kouadio, Harriet R. Herridge, Moritz J. S. Jochum, Nea Yves Noma, Ane López-Morales, Donata Hoffmann, Sten Calvelage, Hjalmar Kühl, Alexander Mielke, Catherine Crockford, Liran Samuni, Roman M. Wittig, Martin Beer, Sery Gonedelé-Bi, Jan F. Gogarten, Sébastien Calvignac-Spencer, Ariane Düx, Livia V. Patrono, Fabian H. Leendertz: Transmission of MPXV from fire-footed rope squirrels to sooty mangabeys. Nature (2026), DOI: 10.1038/s41586-025-10086-y
https://doi.org/10.1038/s41586-025-10086-y

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