Brauchen wir komplexe Modelle für eine Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln?

12. Februar 2026

Pflanzenschutzmittel sind fester Bestandteil der europäischen Landwirtschaft, unterliegen vor ihrer Zulassung jedoch einer standardisierten Risikobewertung für Mensch, Tier und Umwelt. Diese basiert auf Modellrechnungen, die vorhergesagte Umweltkonzentrationen mit kritischen Grenzwerten vergleichen. Dabei stellt sich die zentrale Frage nach der Zuverlässigkeit und der notwendigen Komplexität dieser Modelle.

Modellcheck: Pestizidbelastung in Gewässern auf dem Prüfstand

Im EU-Projekt PARC („Partnership for the Assessment of Risks from Chemicals”) hat die Universität Osnabrück mit europäischen Partnern gängige Methoden zur aquatischen Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln validiert. Hierbei wurden theoretische Modellvorhersagen mit realen Messdaten von Pestizidkonzentrationen in deutschen Gewässern verglichen, die direkt an landwirtschaftliche Flächen angrenzen. Ziel der Untersuchung war es, die Genauigkeit der Risikoeinschätzung für wasserführende Ökosysteme wie Bäche, Flüsse und Seen kritisch zu hinterfragen.

Warum Komplexität nicht immer Sicherheit bietet

Die Ergebnisse belegen, dass einfache Modelle die gemessenen Konzentrationen häufig präzise vorhersagen, wohingegen tieferes Prozesswissen und detailliertere Beschreibungen nicht zwangsläufig zu besseren Resultaten führen. „Mehr Komplexität bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit“, sagt Prof. Dr. Andreas Focks von der Universität Osnabrück. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sehr detaillierte Expositionsmodelle unter realen, stark variablen Umweltbedingungen sogar dazu führen können, Konzentrationen zu unterschätzen – und genau das sollte eine regulatorische Risikobewertung vermeiden.“

Fokus auf das Wesentliche

Die in der Arbeitsgruppe Umweltsystemmodellierung erstellte Studie trägt zur Optimierung der Pestizid-Risikobewertung bei. „Zukünftige Überarbeitungen der europäischen Risikobewertung sollten einen Vergleich von Modellvorhersagen mit gemessenen Konzentrationen berücksichtigen, um die Schutzwirkung der Modelle bewerten zu können, und so den Eindruck eines falschen Sicherheitsniveaus zu vermeiden“, so Andreas Focks. Erstautorin Paula Scharlach unterstreicht zudem, dass sich künftige Modelle primär auf die entscheidenden Belastungstreiber statt auf maximale Komplexität konzentrieren sollten.

Quelle

Universität Osnabrück (02/2026)

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