Wie Uran aus Abraumhalden von Goldminen in die Umwelt kommt

3. Februar 2026

In den Gemeinden rund um das südafrikanische Johannesburg leben Familien seit Jahrzehnten in unmittelbarer Nähe riesiger Goldminen-Abraumhalden, deren freigesetzter Staub oft natürliche Uranverbindungen enthält. Da das Witwatersrand-Becken die weltweit größten Goldvorkommen beherbergt, lagern dort auf 400 Quadratkilometern zerkleinerte Gesteinsmassen, die neben Gold auch giftige Substanzen wie Blei, Arsen und Uran freisetzen.

„Die Halden befinden sich oft direkt in dicht besiedelten Wohngebieten. Es ist bekannt, dass giftige Substanzen in Staubpartikeln durch Wind, Boden und Wasser bis zu den Häusern transportiert werden, insbesondere in der Trockenzeit“, erklärt Dr. Susanne Sachs. „Frühere Untersuchungen unseres Projektteams haben erhöhte Uranwerte in den Haarproben von Menschen gefunden, die in der Nähe von Abraumhalden in der südafrikanischen Bergbauregion leben.“ Während die Aufnahme über Luft, Wasser und kontaminierte Lebensmittel bereits bekannt ist, vergleicht die aktuelle Studie nun gezielt die Uranbelastung im Haar von Kindern aus den Bergbaugebieten mit jener aus unbelasteten Regionen, um das exakte Ausmaß der Schwermetallaufnahme zu bestimmen.

Haar als Untersuchungsgegenstand – und was die Proben verraten

Um das Ausmaß der Belastung zu untersuchen, analysierte ein südafrikanisches Forschungsteam über 400 Haarproben von Kindern aus Bergbaugemeinden sowie unbelasteten Regionen. Da Haare Substanzen über die gesamte Wachstumsphase speichern, bieten sie eine deutlich präzisere Langzeitübersicht als kurzzeitige Blutanalysen.

„Im Labor haben wir die Proben zunächst gemahlen, homogenisiert und sorgfältig gereinigt, um Oberflächenverunreinigungen durch Staub zu entfernen. Dabei haben wir ein Verfahren angewandt, das wir gemeinsam mit unseren Kollegen vom Wismut-Labor in Seelingstädt entwickelt haben. Nach dem Säureaufschluss der Haarproben haben unsere Kollegen vom VKTA eine hochpräzise Massenspektrometrie-Methode angewendet, mit der sich selbst kleinste Mengen an Spurenelementen zuverlässig messen lassen“, erklärt Sachs das Verfahren. Dieser Ansatz ermöglicht es, zwischen bloßem Staubkontakt und der tatsächlichen biologischen Aufnahme zu unterscheiden. Ergänzend wurden soziodemografische Faktoren und Lebensumstände der Kinder erfasst.

Die Ergebnisse belegen ein klares Muster: Kinder in Goldabbaugebieten weisen signifikant höhere Uranwerte im Haar auf als jene aus Referenzgebieten. Dabei spielen neben der räumlichen Nähe zu den Halden auch Alter und Geschlecht eine Rolle. Die Studie bestätigt somit auf individueller Ebene, dass das Leben in unmittelbarer Nähe zum Goldbergbau das Risiko der Uranaufnahme erhöht und die Gesundheit der Menschen spürbar beeinflusst.

Bedeutung für die betroffenen Gemeinden

Obwohl die Messwerte keine direkten Rückschlüsse auf individuelle Gesundheitsschäden zulassen – wofür epidemiologische Folgestudien nötig wären –, belegt die Untersuchung eindringlich, dass die Umweltbelastung zu einer messbaren Urananreicherung im Körper führt. Angesichts der jahrzehntelangen Bergbaugeschichte sind verstärkte Überwachungs- und Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung unumgänglich. „Die Studie trägt dazu bei, das Bewusstsein der Gemeinden zu schärfen, ohne unnötig Ängste zu schüren“, sagt Sachs.

Das Projekt entstand als umfassende Kooperation unter Leitung des South African Medical Research Council (SAMRC), an der neben dem HZDR auch der VKTA, die IARC der Weltgesundheitsorganisation, die Wismut GmbH sowie mehrere südafrikanische Universitäten beteiligt waren. Das Team sieht in dieser Arbeit einen entscheidenden Schritt, um die Folgen industrieller Aktivitäten für den Alltag der Menschen zu verstehen. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit soll nun Wege für eine sicherere Zukunft der betroffenen Gemeinden ebnen, wobei weitere Untersuchungen klären müssen, ob die festgestellten Uranwerte tatsächlich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei den Kindern führen.

Quelle

Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (01/2026)

Publikation

B. Shezi, R. Street, V. Nkosi, F. Winde, H. Nuernberger, J. Schüz, S. Sachs, L. Zupunski, E. Ostroumova, J. Seibt, R. Bertheau, R. Husar, U. Czeslik, A. Mathee, Uranium concentration in children’s hair samples and residential soil samples near mine tailings facilities, in Johannesburg, South Africa, in Environmental Geochemistry and Health, 2025 (DOI: 10.1007/s10653-025-02874-2)
https://doi.org/10.1007/s10653-025-02874-2

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