Forschenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist es gelungen, das antike Wasserversorgungssystem der antiken Stadt Pompeji zu rekonstruieren. Anhand von Kalkablagerungen untersuchte das Team insbesondere den technologischen Übergang von der Nutzung lokaler Brunnen hin zu einem zentralen Aquädukt. Dr. Gül Sürmelihindi erläuterte die hygienischen Herausforderungen der frühen Phase: „Die Thermen wurden ursprünglich über tiefe Brunnen samt Hebevorrichtungen versorgt, und die hygienischen Bedingungen darin waren alles andere als ideal. Im Laufe der Zeit wurden die Wasserhebeanlagen jedoch durch technologische Entwicklungen verbessert, bevor sie im ersten Jahrhundert nach Christus durch einen Aquädukt ersetzt wurden, der mehr Wasser lieferte und einen häufigeren Wasserwechsel zum Baden ermöglichte.“
Geochemische Unterschiede in den Ablagerungen liefern wertvolle Informationen
Zur Rekonstruktion der antiken Wasserversorgung untersuchten Sürmelihindi und Prof. Dr. Cees Passchier mittels Isotopenanalysen die Karbonatablagerungen an verschiedenen Stellen der städtischen Infrastruktur, darunter im Aquädukt, in Wassertürmen, Brunnenschächten und den Becken der öffentlichen Thermen. Dabei stellten die Forschenden signifikante Unterschiede fest, wie Dr. Gül Sürmelihindi erklärt: „Wir fanden völlig andere Muster stabiler Isotope und Spurenelemente in den Karbonaten des Aquädukts und in denen der Brunnen.“
Diese differenzierten geochemischen Eigenschaften ermöglichten es, die genaue Herkunft des Badewassers zu bestimmen. Daraus konnten sie Rückschlüsse auf das Wassermanagementsystem sowie die Qualitätsveränderungen des Wassers in Pompeji ziehen. Die Untersuchungen ergaben, dass die Brunnen ursprünglich stark mineralisiertes Grundwasser aus vulkanischen Schichten förderten. Das war als Trinkwasser ungeeignet. Diese Erkenntnisse untermauern die historische Entwicklung der Stadt. Während der Herrschaft des Augustus wurde der Aquädukt errichtet, was die Kapazität des Wassertransports entscheidend erhöhte und die Versorgungslage verbesserte.
Das Wasser in den Bädern war verunreinigt
Besonders aufschlussreich war die Untersuchung der Republikanischen Bäder. Das sind die ältesten öffentlichen Badeanlagen Pompejis aus der vorrömischen Zeit um 130 v. Chr. Hier konnten die Forschenden nachweisen, dass das Badewasser ursprünglich aus Brunnen bezogen und nur unregelmäßig ausgetauscht wurde. Dr. Gül Sürmelihindi erläutert dazu: „In den sogenannten Republikanischen Bädern – den ältesten öffentlichen Badeanlagen der Stadt, die aus vorrömischer Zeit um 130 v. Chr. stammen – konnten wir mittels Isotopenanalyse nachweisen, dass das Badewasser aus Brunnen stammte und nicht regelmäßig erneuert wurde. Daher entsprach der hygienische Zustand nicht den hohen Hygienestandards, die man üblicherweise den Römern zuschreibt. Vielmehr zeigten die Kohlenstoffisotopenverhältnisse organische Verunreinigung im Wasser.“
Dieser Befund lässt darauf schließen, dass das Wasser vermutlich nur einmal täglich gewechselt wurde. Das war laut Sürmelihindi durch die mühsame Fördertechnik begründet: „Schließlich wurden die Bäder mit einer Wasserhebemaschine versorgt, die von Sklaven über eine Art Tretrad angetrieben wurde.“ Neben der organischen Belastung stieß das Team in den anthropogenen Karbonatablagerungen zudem auf erhöhte Konzentrationen von Blei, Zink und Kupfer. Diese Schwermetallbelastung deutet darauf hin, dass im Zuge von Sanierungsarbeiten Kessel und Leitungen ausgetauscht wurden. Das ließ die Metallwerte im Wasser ansteigen. Gleichzeitig belegt eine Zunahme der stabilen Sauerstoffisotope, dass die Badegäste nach diesen Modernisierungsmaßnahmen von deutlich wärmerem Wasser in den Becken profitierten.
Ungewöhnliche, periodische Muster könnten auf vulkanische Aktivität hindeuten
Darüber hinaus stießen die Forschenden auf eigentümliche, zyklische Muster im Kohlenstoffisotopenverhältnis des Karbonats aus den Brunnen. Laut Prof. Dr. Cees Passchier könnte eine mögliche Ursache hierfür in der schwankenden Menge an vulkanischem Kohlendioxid im Grundwasser liegen. Diese festgestellte Zyklizität könnte somit wertvolle Aufschlüsse über die Aktivität des Vesuvs geben und Einblicke in dessen Verhalten lange vor dem katastrophalen Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. ermöglichen.
Quelle
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (01/2026)
Publikation
G. Sürmelihindi et al., Seeing Roman life through water: Exploring Pompeii’s public baths via carbonate deposits, PNAS, 12. Januar 2026,
DOI: 10.1073/pnas.2517276122,
https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2517276122