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Dem Geheimnis der Kunststoffe auf der Spur

Wissenschaftler von der Universität Chemnitz bilden kleinste Kristalle in Kunststoffenmittels Nanotomographie räumlich ab. Polypropylen ist so weit verbreitet, weil er günstig herzustellen ist und sich seine Eigenschaften ganz nach Wunsch den Bedürfnissen anpassen lassen.

Dem Geheimnis dieser Anpassungsfähigkeit ist jetzt eine Gruppe um Professor Dr. Robert Magerle und Dr. Nicolaus Rehse an der Technischen Universität Chemnitz auf die Spur gekommen. Ihnen ist es erstmals gelungen, die Struktur von Polypropylen im Nanometerbereich sichtbar zu machen. Möglich wurde dies durch die von Magerle entwickelte Methode der Nanotomographie. Die 3D-Bilder machen deutlich, dass die Wandlungsfähigkeit der Kunststoffe in der Zusammensetzung des Materials auf der Nanoskala begründet ist. Die Ergebnisse sind am 8. August 2005 in der Online-Fassung der Zeitschrift Advanced Materials erschienen.

Die Nanotomographie öffnet den Blick auf Strukturen bis zu einer Größe von zehn Nanometer - was etwa 10.000 Mal kleiner ist als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Vergleichbar einer archäologischen Ausgrabung wird bei der Nanotomographie Schicht für Schicht einer Probe abgetragen und nach jedem Schritt ein Bild von der Oberfläche aufgenommen. Dabei wird mit der Rasterkraftmikroskopie nicht nur die Materialverteilung registriert, sondern auch die Form der Oberfläche vermessen. So erhalten die Wissenschaftler die genaue Lage der verschiedenen Materialkomponenten in einer Schicht - und zwar selbst dann, wenn diese eine gewisse Rauhigkeit aufweist. Die Daten der einzelnen Schichten werden anschließend im Computer zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt. Für Polypropylen ergibt sich ein 3D-Bild, das die Form und Anordnung einzelner kristalliner Bereiche zeigt.

Die aus der Nanotomographie erhaltenen Strukturdaten eröffnen neue Möglichkeiten für die Herstellung moderner Materialien. Von den 3D-Bildern ausgehend lassen sich die Materialeigenschaften simulieren. Das liefert etwa Hinweise darauf, wie sich das Produkt für die gewünschte Anwendung optimieren lassen könnte. Aktuelle Beispiele sind Klebestreifen aus Polypropylen mit gezielt einstellbarer Haftfähigkeit oder Polyethylenfasern mit extrem hoher Festigkeit. Große Bedeutung, so meinen die Forscher, habe das Verfahren auch für das Verständnis der Strukturbildung und der Mikromechanik von nanostrukturierten Materialien, wie zum Beispiel hochfeste Metalllegierungen für Gasturbinen, aber auch Knochen und andere Biomaterialien.

Den ganzen Artikel finden Sie unter:

http://idw-online.de/pages/de/news123959

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (08/2005)

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