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Physiker entwickeln neuartiges Konzept zur Detektion chiraler Moleküler Moleküle
ImageAnders als an herkömmlichen Spiegeln kann Licht an sogenannten Metaoberflächen reflektiert werden, ohne seine Polarisation zu ändern. Das haben Physiker der FAU und des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts (MPL) nachgewiesen. Damit kann zirkulierendes Licht genutzt werden, um chirale Moleküle zuverlässig zu detektieren.


In der Natur treten Moleküle häufig chiral auf. Diese sogenannten Enantiomere sind spiegelbildliche Zwillinge – so wie die linke und die rechte Hand des Menschen. „Meistens haben Enantiomere dieselbe Funktionalität“, sagt Dr. Michael Reitz, der 2023 in der von Dr. Claudiu Genes am MPL geleiteten Forschungsgruppe promovierte. „Allerdings können sie auch völlig unterschiedlich wirken, insbesondere wenn sie auf andere chirale Moleküle treffen.“ Das hat beispielsweise gravierende Auswirkungen in der Pharmakologie: Während ein Zwilling eine Krankheit heilen kann, schädigt der andere unter Umständen den Organismus.

Nicht nur in der pharmakologischen Forschung ist es daher von großem Interesse, chirale Moleküle sehr genau nachzuweisen und zu unterscheiden. Ein idealer Kandidat dafür ist Licht, weil Photonen selbst chiral sein können. „Man kann Licht als Spirale in Korkenzieherform erzeugen“, erklärt Nico Bassler, gemeinsamer Doktorand von Claudiu Genes, Leiter der unabhängigen Forschungsgruppe „Cooperative Quantum Phenomena“ am MPL und Prof. Dr. Kai Phillip Schmidt, Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Physik V an der FAU. „Je nachdem, welche Drehrichtung die Spirale besitzt, interagiert sie entweder mit dem links- oder mit dem rechtshändigen Enantiomer.“ Um diese Interaktion zu maximieren, muss das Lichtfeld jedoch räumlich begrenzt werden, indem es zum Beispiel zwischen zwei Spiegeln zirkuliert. Das Problem dabei: Wird Licht an einem herkömmlichen Spiegel reflektiert, ändert es seine Polarisation – die Spirale windet sich dann in die entgegengesetzte Richtung und würde mit dem „falschen“ Enantiomer wechselwirken.

Doppelte Atomlagen wirken als Spiegel

Die Physiker der FAU und des MPL haben dieses Problem mit einem neuartigen Konzept gelöst: Statt herkömmlicher Spiegel verwenden sie sogenannte Metaoberflächen, die aus atomaren Doppelschichten bestehen. „Wir kombinieren zwei einlagige Atomgitter, die jeweils elektrische Dipolmomente besitzen“, erklärt Claudiu Genes. „Dipolmomente kann man als Ladungsrichtung entlang einer Achse verstehen.“ Entscheidend für die Funktionalität der Metaoberflächen ist nun, die Ladungsrichtung der Atomgitter um 90 Grad versetzt, also orthogonal zueinander, auszurichten. Schmidt: „Durch diesen quantenphysikalischen Kniff werden die Photonen zwar reflektiert, behalten jedoch ihre Polarisation.“

Das ermöglicht eine völlig neuartige chirale Sensorik: Eingeschlossen zwischen zwei Metaoberflächen auf engstem Raum, kann zirkulierendes Licht chirale Moleküle zuverlässig und mit extrem hoher Sensitivität detektieren. Die Forscher erwarten, dass Stoffe mit relevanten Funktionalitäten insbesondere in der Biochemie und Pharmazie bald deutlich schneller entwickelt werden können als bisher.


Den Artikel finden Sie unter:

https://www.fau.de/2024/01/news/wissenschaft/reflektieren-ohne-zu-spiegeln/

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (01/2024)


Publikation:
DOI: 10.1103/PhysRevLett.132.043602 „Metasurface-based hybrid optical cavities for chiral sensing“


 
 
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