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Dienstag, 16. Oktober 2018
 
 
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Forscher identifizieren genetische Basis von Raubzügen bei Ameisen
ImageEinige Ameisenarten überfallen Wirtsarten und integrieren deren Nachkommen in ihre eigene Kolonie, um sich Vorteile zu verschaffen. Forscher der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Universität Mainz haben entdeckt, dass diese Raubzüge bei nah verwandten Temnothorax-Ameisenarten jeweils durch unterschiedliche Gene gesteuert werden. Das spricht dafür, dass die Evolution nah verwandter Arten durch Veränderungen im Erbgut ein zufälliger Prozess ist, auf dem viele Wege zum gleichen Ziel führen. Darüberhinaus haben die Forschenden bei den Sklavenhalter-Ameisen zwei spezifische „Angriffsgene“ identifiziert. Die Studie ist vor kurzem im Fachjournal „Scientific Reports“ erschienen.

Nur knapp 3mm groß und doch eine Kampfmaschine – die nordamerikanische Ameisenart Temnothorax americanus hat es in sich, denn sie gehört zu einer Gruppe von Ameisen, die sich nahverwandte Ameisenarten untertan machen und für sich arbeiten lassen. Aufgabe der „Sklavenameisen“ ist es dann, die Brut der anderen Art zu betreuen und für Futter zu sorgen. Um an die Sklaven zu gelangen, gehen Ameisen wie Temnothorax americanus auf Raubzug. Forschende des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) erforschen, welche Gene diese Überfälle steuern.

„Unsere Experimente zeigen, dass sich die Angriffsstrategien von Temnothorax americanus und ihrer Verwandten Temnothorax dulocticus und Temnothorax pilagens grundsätzlich ähneln. Im Detail verhalten sich die Ameisen beim Angriff jedoch unterschiedlich“, erklärt Dr. Barbara Feldmeyer vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Leiterin der Studie. „Unsere Genanalyse zeigt, dass die unterschiedlichen Angriffsmethoden aus einer unterschiedlichen Steuerung der Gene resultieren.“

Dabei passiert bildlich gesprochen Folgendes: Im Erbgut der drei Ameisenarten werden Knöpfe unterschiedlich stark gedrückt. Letztendlich erreichen damit aber alle Arten das gleiche Ziel – einen erfolgreichen Überfall. Dieser Befund ist überraschend, denn bei nah verwandten, genetisch ähnlichen Arten wird eher damit gerechnet, dass der genetische Weg zu einem bestimmten Ziel der gleiche ist.

Wie diese Studie nun belegt, könnte genetische Evolution unter nah verwandten Arten aber durchaus zufällig sein. „Die Ergebnisse legen nahe, dass viele evolutionäre Anpassungen auf zufällige Mutationen zurückzuführen sind. Diese Mutationen führen sogar zwischen nah verwandten Arten zu genetischen Unterschieden. Auf diese Arten wirken aber oft ähnliche Selektionsdrücke. Daher ist das Resultat der Anpassungsprozesse, also das Verhalten, ähnlich“, erläutert die an der Studie beteiligte Prof. Dr. Susanne Foitzik, Universität Mainz.

Die Studie zeigt zudem, dass bei den Sklavenhalter-Ameisen die unterschiedliche Genexpression einzig und allein auf den Raubzug ausgerichtet ist. Ähnliche Muster fanden die Forscher auch bei den potentiellen Sklaven, die genetisch basiert unterschiedliche Muster der Verteidigung zeigen.

Trotz all ihrer Unterschiede verfügen die drei Temnothorax-Slavenhalterarten aber wohl über zwei für den Angriff wichtige Gene. „Acyl-CoA Delta (11)-Desaturase sorgt dafür, dass die Räuber während des Angriffs chemische Duftstoffe absondern. Diese Duftstoffe maskieren die Räuber und erhöhen somit die Erfolgsschancen des Überfalls. Außerdem beeinflusst das Gen Trypsin-7 möglicherweise das Erkennungspotential und sorgt damit zumindest teilweise für die für einen Angriff notwendige Identifikation der Wirtskolonien“, fasst Feldmeyer zusammen.


Dan Artikel finden Sie unter:

http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=5206&PHPSESSID=lq89ddlm4386746cvc7cgalml5&kid=2&id=4760

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen (03/2018)


Publikation:
Alleman, A., Feldmeyer, B. and Foitzik, S. (2018): Comparative analyses of co-evolving host-
parasite associations reveal
unique gene expression patterns underlying slavemaker raiding and host defensive phenotypes.
Scientific Reports, doi:10.1038/s41598-018-20262-y

 
 
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