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Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre
ImageKleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf den Einfluss von Strahlung. Einen dieser Prozesse hat das Team um Professor Matthias Kling und Dr. Boris Bergues vom Labor für Attosekundenphysik (LAP) der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik (MPQ) genauer unter die Lupe genommen. Die Laserphysiker haben erkundet, was passiert, wenn Moleküle, die an den Oberflächen von Nanoteilchen haften, mit Licht in Berührung kommen. Lichtinduzierte molekulare Prozesse auf Nanoteilchen spielen eine wichtige Rolle in der Atmosphäre und können nicht zuletzt unser Klima beeinflussen.

Der Nanokosmos ist ständig in Bewegung. Die Natur wird dirigiert vom Wechselspiel zwischen Licht und Materie. Licht trifft auf Teilchen und setzt Reaktionen in Gang. Elektronen wechseln ihre Position, Atome verändern sich und Moleküle werden umgebaut. Auf den Oberflächen von Nanoteilchen in der Atmosphäre können solche Prozesse erheblich beschleunigt werden. Das ist entscheidend für die Photochemie in der Atmosphäre und damit für unsere Gesundheit und das Klima. Einen solchen lichtgetriebenen, molekularen Prozess auf Aerosolen hat nun das Team um Prof. Matthias Kling und Dr. Boris Bergues vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ detailliert beobachtet. Die Wissenschaftler haben eine neue Methode, die Reaktions-Nanoskopie, entwickelt. Mit ihrer Hilfe untersuchten sie, wie sich Ethanol- und Wassermoleküle an der Oberfläche von Nanoteilchen aus Glas verhalten, wenn sie unter den Einfluss von starker Lichtstrahlung geraten.

Die Forscher schickten wenige Femtosekunden lange Laserpulse auf die kugelförmigen Teilchen. Eine Femtosekunde ist ein Millionstel einer milliardstel Sekunde (10-15 Sekunden). Mit der Reaktions-Nanoskopie zeichneten die Wissenschaftler erstmals in drei Dimensionen mit Nanometer Auflösung auf, was bei dieser ultrakurzen Interaktion passiert. „Wir beobachteten, wie sich vor allem Wasserstoffteilchen aus den Molekülen an der Oberfläche der Nanoteilchen lösten und von der Oberfläche wegbeschleunigt wurden. Dieser Prozess bildet die Grundlage für die hohe räumliche Auflösung unserer Abbildungstechnik“, erklärt Boris Bergues. „Mit unserer Technologie sind wir insbesondere in der Lage, genau zu sehen an welcher Stelle des Nanoteilchens die Reaktionsausbeute am höchsten war. Damit haben wir erstmals eine Reaktion von Molekülen an der Oberfläche von Aerosolen mit höchster räumlicher Auflösung verfolgt“, ergänzt Matthias Kling.

Gerade in der Atmosphärenphysik oder der Astrochemie finden solche Vorgänge kontinuierlich statt. So trifft Licht in unserer Atmosphäre auf Aerosole und Moleküle auf ihrer Oberfläche. Das löst Reaktionen aus, die u.U. für die Entwicklung unseres Klimas von Bedeutung sind. Im Universum finden ähnliche chemische Prozesse auf kleinsten Staubteilchen unter extremen Bedingungen statt. Hierbei entstehen und reagieren Moleküle - ein Prozess, der auch zur Synthese von Biomolekülen beitragen kann.
Doch gerade im Bereich der Atmosphärenchemie könnten die Ergebnisse der Münchner Laserphysiker in naher Zukunft helfen, Prozesse die an Aerosolen ablaufen, besser zu verstehen, und sie vielleicht sogar eines Tages gewinnbringend gegen den Klimawandel einzusetzen.


Den Artikel finden Sie unter:

https://www.mpq.mpg.de/6072685/2019-10-photochemistry-atmosphere

Quelle: Max-Planck-Institut für Quantenoptik (10/2019)


Publikation:
Philipp Rupp, Christian Burger, Nora G. Kling, Matthias Kübel, Sambit Mitra, Philipp Rosenberger, Thomas Weatherby, Nariyuki Saito, Jiro Itatani, Ali Alnaser, Markus Raschke, Eckart Rühl, Annika Schlander, Markus Gallei, Lennart Seiffert, Thomas Fennel, Boris Bergues, Matthias F. Kling,
Few-cycle laser driven reaction nanoscopy on aerosolized silica nanoparticles
Nature Communications, 11.Oktober 2019,
Doi: 10.1038/s41467-019-12580-0

 
Calciumbatterien: Neue Elektrolyte, verbesserte Eigenschaften
ImageBatterien auf Basis von Calcium versprechen eine günstige Herstellung und ein hohe Energiedichte. Diese Technologie aus dem Labor besitzt das Potenzial, als Energiespeicher der Zukunft die Lithium-Ionen-Technologie abzulösen. Mit den bislang verfügbaren Elektrolyten gelang es aber nicht, Calciumbatterien bei Zimmertemperatur aufzuladen. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben in der Fachzeitschrift Energy & Environmental Science nun eine vielversprechende Elektrolytklasse vorgestellt, die das erstmals möglich macht.

Erst effiziente, große und kostengünstige Energiespeicher eröffnen die Möglichkeit einer flächendeckenden Umstellung auf emissionsfreie Mobilität und Stromversorgung. Doch die heute dominierende Lithium-Ionen-Technologie kann diese Aufgabe in globalem Maßstab nicht erfüllen, sagt Professor Maximilian Fichtner vom KIT, Direktor der Forschungsplattform CELEST (Center for Electrochemical Energy Storage Ulm & Karlsruhe), welche Calciumbatterien und weitere Speichertechnologien erforscht. „Lithium-Ionen-Batterien kommen von ihrer Performance und manchen darin verwendeten Rohstoffen mittelfristig an ihre Grenzen und könnten dann nicht überall dort eingesetzt werden, wo in Rahmen der Energiewende Energiespeicher sinnvoll wären. Wir verfügen nur über begrenzte Vorkommen von Rohstoffen wie Kobalt, Nickel und Lithium, die für die Herstellung notwendig sind.“ Stattdessen setzen er und sein Team, das am vom KIT in Kooperation mit der Universität Ulm gegründeten Helmholtz-Institut Ulm (HIU) angesiedelt ist, auf alternative Batterietechnologien. Diese basieren auf Rohstoffen, die auf der Erde viel häufiger vorkommen. Das Element Calcium hält er dabei für einen vielversprechenden Kandidaten, da Calcium etwa im Gegensatz zu Lithium zwei Elektronen pro Atom ab- und aufnehmen kann und weil es eine ähnliche Spannung liefert wie Lithium: „Calcium ist das fünfthäufigste Element in der Erdkruste. Es ist gleichmäßig auf der Erde verfügbar und bietet den Vorteil sicher, ungiftig und kostengünstig zu sein.“

Suche nach dem geeignetem Elektrolyten


Doch bei der Entwicklungsarbeit zur Calciumbatterie gab es bislang eine große Hürde: Im Gegensatz zur etablierten Lithium-Ionen-Technologie oder auch der neueren Natrium- oder der Magnesium-Technologie existierten bislang keine praktikablen Elektrolyte, um wiederaufladbare Calciumbatterien herzustellen. „Erst seit wenigen Jahren existieren überhaupt experimentelle Elektrolyte und damit Prototypen der Calciumbatterie“, erklären Dr. Zhenyou Li, Erstautor der Studie und Dr. Zhirong Zhao-Karger, Projektleiterin, die beide im Exzellenzcluster POLiS (Post Lithium Storage Cluster of Excellence) am KIT arbeiten, das die Calciumbatterie im Rahmen von CELEST weiterentwickelt. „Diese ermöglichen einen Ladevorgang aber erst bei Temperaturen jenseits der 75 Grad Celsius und sind dabei noch anfällig für unerwünschte Nebenreaktionen.“

Nun gelang es den Forschern, eine Klasse neuer Elektrolyte auf Basis spezieller, organischer Calciumsalze zu synthetisieren, mit denen Ladevorgänge auch bei Zimmertemperatur möglich sind. Am Beispiel des neuen Elektrolyts Calciumtetrakis[hexafluoroisopropyloxy]borat konnten die Forscher nun nachweisen, dass Calciumbatterien mit hoher Energiedichte, Speicherkapazität und Schnellladefähigkeit möglich sind. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift Energy & Environmental Science vorgestellt.

Calciumbatterien als nachhaltige Energiespeicher

Die neue Elektrolytklasse schafft nun eine wichtige Grundlage, um Calciumbatterien aus dem Labor in die Anwendung zu führen. In Elektroautos, mobilen Elektronikgeräten und stationären Netzspeichern könnten sie eines Tages die bislang dominierende Lithium-Ionen-Batterie ersetzen. Allerdings könnte das noch eine Weile dauern: „Die neuen Elektrolyte sind ein erster wichtiger Schritt“, betont Fichtner. „Bis zur marktreifen Calciumbatterie haben wir noch einen weiten Weg vor uns.“


Den Artikel finden Sie unter:

http://www.kit.edu/kit/pi_2019_133_calciumbatterien-neue-elektrolyten-verbesserte-eigenschaften.php

Quelle: Karlsruher Institut für Technologie (10/2019)


Publikation:
Zhenyou Li, Olaf Fuhr, Maximilian Fichtner, Zhiron Zhao-Karger: Towards stable and efficient electrolytes for room-temperature rechargeable calcium batteries. Energy & Environmental Science, 2019. DOI: 10.1039/c9ee01699f.
https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2019/EE/C9EE01699F#!divAbstract

 
Neue Erkenntnisse über die Recyclingfabriken der Zellen
ImageDie Zellen sowohl von Tieren als auch von Pflanzen sind darauf angewiesen, dass sie von ihrem eigenen beschädigten oder überflüssigen Zellmaterial befreit werden – ein Vorgang, den man Autophagozytose nennt. Den Abbau der Substrate übernehmen Proteine. Er findet bei Tieren in einem Zellorganell namens Lysosom und bei Pflanzen und Hefen in der Vakuole statt. Die Abbauproteine selbst befinden sich nicht von Anfang an in der Vakuole oder im Lysosom, sondern müssen zunächst von Transportrezeptoren auf kleinen Vesikeln zu ihrer Wirkungsstätte gebracht werden.

Wie unersetzlich der Transportrezeptor Vps10 für diese Aufgabe ist, konnte das Team der Arbeitsgruppe Biochemie Intrazellulärer Transportprozesse der Ruhr-Universität Bochum (RUB) von Dr. Harald Platta jetzt zeigen.

In einer zweiten Studie analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Protein Vac8, welches die Fusion von kleinen und großen Vesikeln mit der vakuolären Membran reguliert, damit die jeweilige Fracht in das Innere der Vakuole entlassen werden kann.

Unersetzlich für den Abbau komplexer Substrate

Die Forscherinnen und Forscher konnten zeigen, dass der Transportrezeptor Vps10, welcher bei Pflanzen und Hefen das Abbauprotein Pro-Pep4 vom Endoplasmatischen Retikulum zur Vakuole dirigiert, nicht einer unter mehreren austauschbaren Rezeptoren ist. „Vps10 trägt vielmehr durch den effektiven Transport von Pro-Pep4 entscheidend zu der Aktivität der Vakuole während des Abbaus der zelleigenen Bestandteile bei“, so Harald Platta.

Ohne Vps10, dessen Ebenbild in menschlichen Zellen Sortillin heißt, könne Pro-Pep4 nicht effizient zur Vakuole gebracht und dort zu Pep4, das bei Menschen Cathepsin D heißt, aktiviert werden.

Während der Abbau von einzelnen kleinen Proteinen und Ribosomen in der Vakuole auch ohne Vps10 noch möglich ist, zeigte sich, dass der Abbau von komplexen Substraten, wie Peroxisomen oder Mitochondrien, ohne Vps10 nicht mehr effektiv erfolgen kann und mit einer Fehlsteuerung und damit ineffizienten Reifung von Pro-Pep4 einhergeht.

Weitreichende Auswirkungen

„Die Erkenntnisse aus dieser Studie sind auch für weitergehende Fragen relevant“, erklärt Platta. „So hängt es im Wesentlichen von Pep4 ab, wie giftig verschiedene für Pflanzen schädliche Pilze sind. Darüber hinaus schützt Pep4 Hefezellen vor der spontanen Bildung von Prionen, speziellen schädlichen Eiweißpartikeln, während der Verlust der Pep4-Aktivität zu einer verkürzten Lebensdauer führt. In Säugern führt ein Mangel des gereiften Pep4-Homologs Cathepsin D zu neurodegenerativen Störungen. Und die Fehlsteuerung von Pro-Cathepsin D wurde bei verschiedenen Krebsformen beobachtet.“

Die Membranen von Vesikel und Vakuole müssen miteinander fusionieren

Die zweite Studie analysierte das Protein Vac8, welches eng verwandt mit den Säuger-Proteinen Plakoglobin, einem Tumorsuppressor, und Katenin ist. Während letztere an der Plasmamembran Zell-Zell-Kontakte vermitteln, reguliert Vac8 innerhalb der Zelle die Fusion der Membranen von Transport-Vesikeln mit der vakuolären Membran. Dabei handelt es sich entweder um kleine Vesikel, die Abbauproteine enthalten, oder große Vesikel, die mit den abzubauenden Substraten beladen sind.

Die Fusion der Membranen scheint nicht, wie man annehmen würde, über die Bindung zu anderen Proteinen zu erfolgen, sondern, wie die Forscherinnen und Forscher zeigen konnten, über die Koordination von Lipiden. „In der Studie konnten wir darstellen, dass in Vac8-defizienten Zellen die Fusion und die abbauende Aktivität der Vakuole durch die experimentelle Zugabe von den Membranlipid-Bausteinen Ölsäure und Glycerin regeneriert werden konnte“, sagt Harald Platta. Daher nimmt Vac8 nach Meinung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine zentrale Rolle bei der Autophagozytose von allen getesteten Substraten – zytosolische Proteine, Ribosomen, Peroxisomen – ein.

Vac8 scheint somit nicht nur als einfaches Adapter-Molekül zwischen zwei Membranen zu agieren, sondern mag womöglich auch die Zusammensetzung der umliegenden Lipide definieren, um den Kontakt der beiden Membranen vorzubereiten. „Dies wirft interessante neue Fragestellungen zur Identität der beteiligten Lipidtypen auf“, gibt Harald Platta einen Ausblick auf zukünftige Forschungsfragen.


Den Artikel finden Sie unter:

https://news.rub.de/wissenschaft/2019-10-10-proteinforschung-neue-erkenntnisse-ueber-die-recyclingfabriken-der-zellen

Quelle: Ruhr-Universität Bochum (10/2019)


Publikation:
Fahd Boutouja, Christian M. Stiehm, Thomas Mastalski, Rebecca Brinkmeier, Christina Reidick, Fouzi El Magraoui, Harald W. Platta: Vps10-mediated targeting of Pep4 determines the activity of the vacuole in a substrate-dependent manner, in: Scientific Reports, 2019, DOI: 10.1038/s41598-019-47184-7

Fahd Boutouja, Christian M. Stiehm, Christina Reidick, Thomas Mastalski, Rebecca Brinkmeier, Fouzi El Magraoui, Harald W. Platta: Vac8 controls vacuolar membrane dynamics during different autophagy pathways in Saccharomyces cerevisiae, in: Cells, 2019, DOI: 10.3390/cells8070661

 
Wie man Biokatalysatoren unsterblich macht
ImageEffiziente Katalysatoren für die Umwandlung von Wasserstoff in Brennstoffzellen und andere Stoffe für die Energiewende basieren oft auf teuren und seltenen Metallen wie Platin. Der Einsatz günstigerer Metalle und biologischer Komponenten, die ebenso effizient funktionieren, brachte bislang eine verkürzte Lebensdauer der Katalysatoren mit sich, weil sie empfindlich gegen Sauerstoff sind. Einem Forschungsteam aus Bochum und Marseille ist es gelungen, einen solchen Katalysator mit einem extrem dünnen Schutzfilm aus molekularen Bausteinen auszustatten, der ihn vor Sauerstoff abschirmt und seine Lebensdauer damit praktisch unendlich macht. Dabei arbeitet der Katalysator trotzdem effizient.

Dicke Schichten taugen in der Praxis nicht

Die Teams arbeiten seit Längerem daran, effiziente Biokatalysatoren, die sauerstoffempfindliche Hydrogenasen enthalten, langlebiger zu machen. „Vor etwa fünf Jahren haben wir einen Selbstverteidigungsmechanismus entwickelt, der auf einem leitfähigen Polymerfilm basiert“, erklärt Nicolas Plumeré. Die Elektronen, die bei der Oxidation von Wasserstoff entstehen, werden durch den Film transportiert und reagieren mit Sauerstoff, der somit beseitigt wird, bevor er das Innere des Katalysators erreichen kann, wo sich sauerstoffempfindliche Enzyme befinden. „Für die Praxis waren die Katalysatoren aber nicht zu gebrauchen“, so der Forscher. „Die Polymerfilme waren mit über 100 Mikrometern so dick, dass sie die Effizienz behindert haben.“

In der aktuellen Arbeit zeigen die Forscher, dass die Hydrogenasen auch in einem viel dünneren Polymerfilm sicher vor Sauerstoff sind. „Überraschenderweise sind diese nur wenige Mikrometer dünnen Filme sogar robuster als die dickeren“, so Nicolas Plumeré. 50 Prozent des Katalysators trägt nun zur Katalyse bei – bei dickeren Schutzfilmen waren es nur 0,3 Prozent.

Definierte Schutzschicht aus winzigen Kugeln

Kern der neuen Entwicklung sind die Bausteine, aus denen der Schutzfilm aufgebaut ist. Die Forscher nutzen dafür winzige Kugeln mit nur fünf Nanometern Durchmesser, die alle identisch aufgebaut sind, sogenannte Dendrimere. So konnten sie die Dicke der entstehenden Schicht genau kontrollieren.

Die Dendrimere können Elektronen effizienter transportieren als die zuvor genutzten Polymere. „Diese erhöhte Leitfähigkeit führt wahrscheinlich dazu, dass Elektronen schneller durch den Film transportiert werden“, erläutert Plumeré. „Dadurch kann Sauerstoff vermutlich in größerer Entfernung vom Katalysator gestoppt werden.“

22.000 Jahre effiziente Katalyse

Die Forscher waren überrascht zu beobachten, dass die Dicke des Schutzfilms sich erheblich auf die Lebensdauer des Katalysators auswirkt: In einem drei Mikrometer dünnen Film überlebt ein Katalysator in Anwesenheit von Sauerstoff nur rund zehn Minuten. Wenn der Film sechs Mikrometer dick ist, verlängert sich die Lebensdauer unter denselben Bedingungen auf bis zu ein Jahr. „Weitere zwei Mikrometer Dicke zusätzlich verlängern das Leben des Katalysators theoretisch auf 22.000 Jahre“, stellen die Forscher erstaunt fest.

Nachbarschaftshilfe verlängert das Leben

Ebenso überrascht war das Team, dass der Schutzfilm nicht nur schädliche Sauerstoffmoleküle abhält, sondern sogar in der Lage ist, einen nicht mehr funktionstüchtigen Katalysator zu reaktivieren, indem sie ihm Elektronen zuführt, die von einem benachbarten aktiven Katalysator stammen. „In andern Worten: Katalysatoren in diesem Schutzfilm schützen nicht nur sich selbst, sondern auch sich gegenseitig“, fasst Plumeré zusammen. Diese Eigenschaft ermöglicht auch Katalysatoren in nur drei Mikrometer dünnen Schutzschichten ein unendliches Leben.
„Diese extreme Langlebigkeit bringt uns einen weiteren Schritt näher an den Einsatz solcher sauerstoffempfindlichen Biokatalysatoren in Brennstoffzellen“, so das Forschungsteam.


Den ganzen Artikel finden Sie unter:

https://news.rub.de/wissenschaft/2019-10-09-chemie-wie-man-biokatalysatoren-unsterblich-macht

Quelle: Universität Basel (10/2019)


Publikation:
Huaiguang Li, Darren Buesen, Sebastien Dementin, Christophe Léger, Vincent Fourmond, Nicolas Plumeré: Complete Protection of O2-Sensitive Catalysts in Thin Films, in: Journal of the American Chemical Society, 2019, DOI: 10.1021/jacs.9b06790

 
Eine neue Strategie für die Synthese komplexer Naturstoffe
ImageChemiker der Universität Basel haben erfolgreich zwei komplexe Naturstoffe aus der Klasse der sogenannten Dithioketopiperazine (DTPs) hergestellt. Ihre kurze Syntheseroute basiert im Schlüsselschritt auf der Methode der «C-H-Aktivierung». Auf diesem Weg konnten die beiden Naturstoffe Epicoccin G und Rostratin A in hohen Ausbeuten erzeugt werden, wie die Forschenden in der Fachzeitschrift «Journal of the American Chemical Society» berichten.

Bestimmte Mikroorganismen wie Pilze sind reiche Quellen von Sekundärmetaboliten, die ein grosses Potenzial für medizinische Anwendungen besitzen. Von besonderem Interesse sind hierbei die Dithioketopiperazine (DTPs), die eine Vielzahl biologischer Aktivitäten aufweisen und als Wirkstoffe gegen Malaria oder Krebs eingesetzt werden könnten. Trotz intensiver Bemühungen sind bislang jedoch nur relativ wenige Totalsynthesen von Molekülen dieser Art bekannt, sodass es schwierig bleibt, ausreichende Mengen dieser Verbindungen für weitergehende Untersuchungen zu gewinnen.

Professor Dr. Olivier Baudoin und Erstautor Pierre Thesmar vom Departement Chemie
der Universität Basel ist es nun gelungen, eine effiziente und skalierbare Syntheseroute für beide komplexen Naturstoffe zu entwickeln.

C-H-Aktivierung als neue Synthesestrategie

Bei der neuen Strategie zum Aufbau des Ringsystems der Zielverbindungen kam unter anderem die Methode der «C-H-Aktivierung» zur Anwendung, welche sich in den letzten Jahren als wertvolles Synthesewerkzeug etabliert hat. Im Schlüsselschritt werden durch eine zweifache Reaktion, bei denen jeweils eine Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindung (C-H) aufgebrochen und eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung (C-C) neu geknüpft wird, zwei Ringe simultan gebildet. Dieser Syntheseweg ermöglicht einen effizienten Zugang zu einem gemeinsamen Zwischenprodukt im Multigramm-Massstab, ausgehend von kostengünstigen und kommerziell verfügbaren Ausgangsstoffen.

In sieben weiteren Schritten wurde dieses Intermediat dann zum DTP-Naturstoff Epicoccin G umgesetzt. Im Vergleich zur einzigen anderen bislang veröffentlichten Synthese brauchten die Basler Forschenden nur 14 statt 17 einzelne Schritte bei einer Gesamtausbeute von 19,6% statt 1,5%.

Die nächste Herausforderung: Rostratin A


Nach der erfolgreichen Synthese von Epicoccin G wagte sich das Basler Forscherteam an die erstmalige Synthese von Rostratin A. Dieser verwandte DTP-Naturstoff besitzt einige herausfordernde Strukturelemente, für die die Endphase der Synthese grundsätzlich angepasst werden musste. Nach umfangreichen Vorversuchen und der Optimierung eines jeden einzelnen Syntheseschritts konnte Rostratin A in der aussergewöhnlichen Menge von mehr als 500 Milligramm hergestellt werden. Diese Totalsynthese gelang in 17 Syntheseschritten und in sehr hoher Gesamtausbeute von 12,7%.

Die neue Synthesestrategie offenbart das grosse Potenzial, welches die C-H-Aktivierung für die effiziente Totalsynthese von komplexen Naturstoffen aufweist. In einem nächsten Schritt möchten die Forschenden weitere Naturstoffe und deren Analoga aus der Klasse der DTPs herstellen, um weitergehende Studien zur Untersuchung ihres medizinischen Potenzials durchführen zu können.


Den ganzen Artikel finden Sie unter:

https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Eine-neue-Strategie-fuer-die-Synthese-komplexer-Naturstoffe.html

Quelle: Universität Basel (10/2019)


Publikation:
Pierre Thesmar, Olivier Baudoin
Efficient and divergent total synthesis of (–)-epicoccin G and (–)-rostratin A enabled by double C(sp3)–H activation
Journal of the American Chemical Society (2019), doi: 10.1021/jacs.9b09359

 
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